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Montag, 21. März 2011

PdW - Teil 14: Steht unser gesamtes Schicksal schon fest?

Dies ist eine Fortsetzung des Themas Leid und Prüfungen, jedoch mit einem anderen Schwerpunkt: Es gibt Dinge, die bereits feststehen, sobald wir ins Leben gerufen werden. Allah besitzt Kenntnis über all unsere Handlungen im Voraus und darüber, was uns im Leben erwartet und wann wir sterben. Es gibt Dinge, auf die ein Mensch  keinerlei Einfluss hat - wie z.B. der Geburtsort, den Todeszeitpunkt, die Familie u.ä. Andere Ereignisse wiederum sind Konsequenzen, die aus unseren eigenen Handlungen erwachsen. 
Die Dinge, die unvermeidlich eintreffen werden, nennen wir das Schicksal. Es ist sinnlos, mit dem Schicksal zu hadern, da es nicht geändert werden kann. Wenn uns daher ein Schicksalsschlag trifft, sollen wir nicht verzweifeln, sondern auf Gott vertrauen und Ihn um Beistand bitten denn Allah erhört die Bitten seiner Diener.

Dies bedeutet nicht, dass man sein Leben nicht aktiv und engagiert in die eigenen Hände nehmen soll in den Bereichen, auf die man Einfluss nehmen kann - im Gegenteil, jeder soll nach Kräften danach streben, das Beste aus seiner Situation und seinen Fähigkeiten zu machen und ist verantwortlich dafür, wie er mit den Gaben Allahs umgeht (der Zeit, der Gesundheit, der Intelligenz, dem Vermögen etc.). Der Erfolg liegt jedoch allein bei Allah und ein Muslim weiss, dass ihm im Leben weder etwas entgeht, dass er vielleicht hätte erreichen können, noch dass er etwas bekommen kann, das nicht für ihn bestimmt war. Dieser Glaube gibt ihm die Gelassenheit, mit den Wechselfällen des Lebens gelassener umzugehen.
Die Absicht und der Einsatz sind das, was zählen; und Allah bewertet alle Handlungen nach der Absicht des Handelnden. Außerdem ist uns ja nicht bekannt, wie das Ergebnis unserer Bemühungen sein wird, und wir sollen bei gottgefälligen Dingen alles daransetzen, sie zum Erfolg zu bringen - in festem Vertrauen auf Allahs Hilfe - denn es sind immer auch unsere Handlungen, die unsere Zukunft mitbestimmen.
Einmal kam ein Mann zum Propheten (sas) und beklagte sich bei ihm. Er sagte, er habe sein Kamel vor der Moschee stehen gelassen, auf Allah vertraut und sei dann beten gegangen. Als er wieder herauskam, war das Kamel weg. Der Prophet (sas) sagte zu ihm: Binde erst dein Kamel an, dann vertraue auf Allah! Die Lehre aus dieser Geschichte ist klar: Wer sich nicht bemüht, wird auch deutlich weniger erreichen können, als jemand, der sich anstrengt. Dieses Leben unterliegt Gesetzmäßigkeiten, die Allah erschaffen hat, genannt Sunnat Allah. Danach führt aufrichtige und beständige Anstrengung für etwas in der Regel zu Erfolg, während Faulheit und Müßiggang keine Früchte tragen. Niemand kann in eine Prüfung gehen, ohne gelernt zu haben, und erwarten, dass er diese mit Bravour besteht. Allah kommt den Menschen zu Hilfe, die sich bemühen und sie erhalten etwas von dem, wonach sie streben oder einen anderen Lohn von Ihm.
Das richtige Vertrauen auf Allah ist nach Aussage des Propheten (sas) wie das Gottvertrauen der Vögel. Sie fliegen aus dem Nest mit leerem Magen und kehren mit vollen Schnäbeln zurück. Dabei sind sie weder im Nest sitzen geblieben in der Hoffnung, jemand brächte die Nahrung zu ihnen, noch häufen sie übermäßig Vorräte an aus Angst um die Zukunft.

Das Vorwissen Allahs bedeutet nicht, wie es oft falsch verstanden wird, dass wir in irgendeiner Weise einem Zwang unterliegen, der unser Handeln steuert, sondern lediglich, dass Allah schon im Vorhinein bekannt ist, wie wir uns entscheiden werden, da Er sowohl die Vergangenheit, als auch die Gegenwart und die Zukunft kennt. Sonst würden wir nicht zur Rechenschaft gezogen, denn die Voraussetzung für die Schuldfähigkeit ist der freie Wille des Menschen.


9.7 Schicksal und Vorherbestimmung

Keiner wird sterben ohne Allahs Erlaubnis; (denn dies geschieht) gemäß einer zeitlichen Vorherbestimmung. Und dem, der den Lohn der Welt begehrt, geben Wir davon, und dem, der den Lohn des Jenseits begehrt, geben wir davon; wahrlich, Wir werden die Dankbaren belohnen. Und wie viele Propheten kämpften gegen (einen Feind), gefolgt von vielen Gottesfürchtigen. Aber sie verzagten nicht bei dem, was sie auf Allahs Weg traf, und sie wurden weder schwach noch ließen sie sich demütigen. Und Allah liebt die Geduldigen. Und ihr Wort war nicht anders, als dass sie sagten: „Unser Herr, vergib uns unsere Sünden und unser Vergehen in unserer Sache; und festige unsere Schritte und hilf uns gegen das ungläubige Volk.“ Und Allah gab ihnen den Lohn dieser Welt und den schönsten Lohn des Jenseits. Und Allah liebt diejenigen, die Gutes tun. (3:145-147)

Es geschieht kein Unheil auf Erden oder an euch, das nicht in einem Buch (verzeichnet) wäre, bevor Wir es ins Dasein rufen – wahrlich, das ist für Allah ein leichtes - , auf dass ihr euch nicht darüber betrüben möget, was euch entging, noch darüber frohlocken möget, was Er euch gegeben hat. Und Allah liebt keinen der eingebildeten Prahler. (57:22-23)

Sprich: „Nichts kann uns treffen außer dem, was Allah uns bestimmt hat. Er ist unser Beschützer. Und auf Allah sollen die Gläubigen vertrauen.“ (9:51)

Und wenn dich Allah mit einem Übel treffen will, so gibt es keinen, der es hinwegnehmen kann, außer Ihm; und wenn Er dir etwas Gutes erweisen will, so gibt es keinen, der Seine Gnade verhindern kann. Er lässt sie unter Seinen Dienern zukommen, wem er will, und Er ist der Allverzeihende, der Barmherzige. (10:107)

O ihr, die ihr glaubt, seid nicht gleich den Ungläubigen, die da sprechen von ihren Brüdern, als sie das Land durchwanderten oder Streiter waren: „Wären sie bei uns geblieben, wären sie nicht gestorben und nicht erschlagen worden.“ Allah bestimmte dies als Kummer für ihre Herzen. Und Allah macht lebendig und lässt sterben, und Allah durchschaut euer Tun. Und wahrlich, wenn ihr auf dem Wege Allahs erschlagen werdet oder sterbt, wahrlich, Allahs Vergebung und Barmherzigkeit ist besser als das, was ihr zusammenscharrt (an Vermögen). (3:156-157)

Diese Verse verdeutlichen den Iman (feste innere Überzeugung)  an das Schicksal, der die Muslime von den Andersgläubigen unterscheidet. Es ist bei Allah für jeden Menschen im Voraus bekannt, wie sein Leben verlaufen wird, welches Unglück oder Glück ihn treffen wird  und wann er stirbt. Dieser festgesetzte Zeitpunkt lässt sich nicht verschieben – weder nach vorne noch nach hinten. Daher wird man zu diesem unvermeidlichen Zeitpunkt sterben, egal ob man sich auf der Couch vor dem Fernseher befindet oder im Krieg. Muslime nehmen deshalb solche Ereignisse gelassener und werden nicht von Gedanken gequält, ob sie etwas hätten verhindern können oder was geschehen wäre, wenn….

Allahs Gesandter(Allahs Frieden und Heil auf ihm) hat gesagt: „Kein Knecht (Allahs) glaubt wirklich), solange er nicht an die Vorbestimmung von Gutem und Schlechtem (in seinem Leben) glaubt und er nicht erkennt, dass das, was ihm zustößt, ihn nicht verfehlen sollte, und das, was ihn verfehlte, ihm nicht zustoßen sollte.“ (Dschabir; Tirmidhi)

Abu Yahya Suhaib ibn Sinan (radiyallahu ´anhu) überliefert, dass der Gesandte Allahs (sallalahu ´alaihi wa sallam) sagte: „Die Angelegenheit des Mu´min ist wirklich verwunderlich (arab. ´adschaban). Alles ist für ihn gut – und dies ist nur beim Mu´min so: Wenn ihm etwas Erfreuliches widerfährt und er dankt Allah dafür, so ist das gut für ihn. Und wenn er von einer Drangsal heimgesucht wird und er sie geduldig erträgt, so ist das auch gut für ihn.“


9.8 Gottvertrauen und Gottesfurcht

Die Entscheidung ruht bei Allah allein. Auf ihn vertraue ich, und auf Ihn sollen die Vertrauenden vertrauen. (12:67)

… und wenn du entschlossen bist, dann vertraue auf Allah; denn wahrlich, Allah liebt diejenigen, die auf Ihn vertrauen. Wahrlich, wenn Allah euch (zum Sieg) verhilft, so gibt es keinen, der über euch siegen könnte; wenn Er euch aber im Stich lässt, wer könnte euch da helfen ohne Ihn? Wahrlich, auf Allah sollen die Gläubigen vertrauen. (3:159-160)


So schmiedet denn Pläne gegen mich, ihr alle, und gewährt mir keine Frist. Ich aber vertraue auf Allah, meinen Herrn und euren Herrn. Kein Geschöpf bewegt sich (auf Erden) das Er nicht in  Seine Richtung steuert. Seht, mein Herr ist auf dem geraden Weg. (11:55-56)

Für diejenigen von ihnen, welche Gutes taten und gottesfürchtig waren, ist großer Lohn. Diejenigen, zu denen die Leute sagten: „Seht, die Leute haben sich bereits gegen euch geschart; fürchtet sie darum!“ – nur stärker wurden sie im Glauben und sagten: „Uns genügt Allah, und er ist der beste Anwalt/Sachwalter!“ Dann kehrten sie mit Allahs Gnade und Huld zurück, ohne dass sie ein Übel getroffen hätte, und sie folgten dem Wohlgefallen Allahs; und Allah ist voll großer Huld. Es ist wahrlich Satan, der (euch) mit seinen Gefolgsleuten Furcht einzuflößen sucht. Fürchtet sie aber nicht, sondern fürchtet Mich, wenn ihr gläubige seid! (3:172-174)

Dem, der Allah fürchtet verschafft Er einen Ausweg und versorgt ihn in der Art und Weise, mit der er nicht rechnet. Und wer auf Allah vertraut, für den ist Er sein Genüge. Wahrlich, Allah setzt durch, was Er will; siehe Allah hat für alles eine Bestimmung gemacht. (65:3)


9.9 Hilfe bei Prüfungen

 

Der Prophet (Allahs Frieden und Heil auf ihm) hat gesagt: „Wann immer ein Muslim eine Bitte (an Allah) richtet und es sich nicht um Sünde oder Verletzung der Verwandtschaftsbande handelt, erfüllt Allah sie ihm auf dreierlei (Weise): Entweder tut Er es umgehend (in diesem Leben) oder später im Jenseits, oder Er wendet (der Bitte) entsprechendes Unheil ab.“ (Seine Gefährten) entgegneten: „Dann werden wir es oft machen.“ Er sagte: „Allah, der Erhabene, ist von unermesslicher Güte.“ (Abu Said al-Chudri; Ahmad)

Der Prophet (Allahs Frieden und Heil auf ihm) hat gesagt: “Schützt euer Vermögen durch (Zahlen der) Armensteuer, heilt eure Kranken mit (Hilfe von) Almosen, und sucht um Hilfe nach, um euch von einem Unglück zu befreien, indem ihr (Allah) bittet und anfleht.“ (Hassan; Abu Dawud)

Allah erweitert und beschränkt die Mittel zum Unterhalt, wem Er will. Sie freuen sich des irdischen Lebens, doch das diesseitige Leben ist im Vergleich mit dem jenseitigen nur ein vergängliches Gut… Sprich: „Allah lässt zugrunde gehen, wen Er will, und leitet die zu Sich, welche sich bekehren. Es sind jene, die glauben und deren Herzen Trost finden im Gedenken an Allah. Wahrlich, im Gedenken Allahs werden die Herzen ruhig. (13: 26-28)

Allah fordert von keiner Seele etwas über das hinaus, was Er ihr gegeben hat. Allah wird nach einer Bedrängnis Erleichterung schaffen. (65:7)

Allah ist der Beschützer derjenigen, die Glauben. Er führt sie aus den Finsternissen ins Licht. (2: 257)

Wahrlich, mein Beschützer ist Allah, Der das Buch herabgesandt hat. Und Er beschützt die Rechtschaffenen. (7:196) 

Und dem, der Allah fürchtet, wird Er Erleichterung in seinen Angelegenheiten verschaffen. Das ist Allahs Befehl, den Er euch herabgesandt hat. Und wer Allah fürchtet – Er wird seine Übel von ihm nehmen und ihm einen würdigen Lohn geben. (65:5)

Allahs Gesandter (Allahs Frieden und Heil auf ihm) erzählte von einem Mann, der eine lange Reise machte, mit ungekämmtem Haar, staubbedeckt, der seine Hände zum Himmel streckte (und rief): O Herr, o Herr! – (während) seine Speise vom Verwehrten war, sein Trank vom Verwehrten, sein Gewand vom Verwehrten und er mit Verwehrtem ernährt war. Wie kann er erhört werden!“ (Abu Huraira; Muslim)

Wer Allahs Schutz und Hilfe begehrt, soll rechtschaffen handeln, geduldig und gottesfürchtig sein und fest auf Ihn vertrauen.



Sonntag, 20. März 2011

Exkurs: Wie gehe ich am besten mit Leid und Sorgen um? Teil 2

Dies ist eine Fortsetzung der Zusammenfassung des Buches "Sorge dich nicht, lebe!" von Carnegie, ergänzt mit Kommentaren aus islamischer Sicht:



10.) Sieben Möglichkeiten zur Entwicklung einer geistigen Haltung, die Glück und Frieden bringt

1.) Ein Mensch ist das, was er den ganzen Tag denkt. Das größte Problem, mit dem wir uns herumschlagen müssen, ist die Wahl der richtigen Gedanken. Unser Leben ist das Produkt unserer Gedanken. Wenn wir glückliche Gedanken denken, sind wir glücklich. Wenn wir unglückliche Gedanken denken, sind wir unglücklich. Wenn wir ängstliche Gedanken denken, werden wir voll Angst sein. Wenn wir Gedanken an Krankheit denken, werden wir wahrscheinlich krank. Wenn wir denken, wir versagen, werden wir bestimmt versagen. Wenn wir uns in Selbstmitleid suhlen, wird jeder uns aufs Abstellgleis schieben und uns meiden.
Menschen sind in der Lage, Sorgen und Ängste, Furcht und verschiedene Argen von Krankheiten zu vertreiben und ihr Leben zu ändern, indem sie ihre Gedanken ändern! Lassen wir unsere Gedanken für uns arbeiten und nicht gegen uns. Nicht äußerliche Umstände verursachen all unser Leid, sondern unsere Sichtweise von ihnen.
Nichts kann dir Frieden geben, nur du selbst.
Der Mensch wird nicht so sehr von dem verletzt, was geschieht, als vielmehr von seiner Meinung darüber. Und unsere Meinung hängt einzig und allein von uns ab.
Handlung und Gefühl hängen zusammen. Indem wir die Handlungen steuern, die unter direkter Kontrolle unseres Willens stehen, können wir indirekt unsere Gefühle steuern, bei denen das nicht der Fall ist. Deshalb ist der ideale und bewusste Weg zur Heiterkeit – wenn Sie sie verloren haben -, gelassen dazusitzen und zu handeln und zu sprechen, als seien Sie schon heiter. Setzen Sie ein breites, grundehrliches und überzeugendes Lächeln auf! Straffen Sie die Schultern! Atmen Sie tief durch! Und singen Sie ein paar Takte! Wenn Sie nicht singen können, pfeifen Sie! Wenn Sie nicht pfeifen können, summen Sie. Sie werden sehr schnell merken, dass es physisch unmöglich ist, traurig oder deprimiert zu sein, wenn man sich benimmt, als sei man überglücklich!
Alles, was der Mensch vollbringt, ist das direkte Ergebnis seiner Gedanken.

Die Einstellung zu etwas beeinflusst unsere Gefühle und damit unser Verhalten. Wenn wir über unsere Familie denken, dass dies unsere geliebten Menschen sind, für die wir mit Freude alles tun würden, werden wir uns auch entsprechend verhalten und geduldig und liebevoll sein.
Es ist ein bekannter psychologischer Kreislauf, dass Gedanken in uns Emotion en auslösen und Emotionen zu Handlungen führen. Positive Gedanken werden also zu guten Handlungen führen und negative zu schlechten, z.B. selbstzerstörerischen.
Das Innere des Menschen ist also das Entscheidende für sein gesamtes Leben. Ist er innerlich rein und gut, ist er wie ein guter Same, der immer exquisite Blumen von schönster Farbe und herrlichem Duft hervorbringt, auch wenn sie mitten im Misthaufen steht.
Ein arabischer Dichter sagt: Sei schön, dann empfindest du deine Umwelt als schön.
  
Gedicht: Nur Heute
    1. Heute will ich glücklich sein. Glück kommt von innen, es hat mir äußeren Umständen nichts zu tun.
    2. Heute nehme ich alles, wie es ist, und zwinge den Dingen nicht meinen Willen auf. Familie, Arbeit und Glück – ich nehme es, wie es kommt, und stelle mich darauf ein.
    3. Heute kümmere ich mich um meinen Körper. Ich bewege ihn, pflege ihn, ernähre ihn und vernachlässige oder missbrauche ihn nicht, damit er so perfekt reagiert, wie ich es mir wünsche.
    4. Heute trainiere ich meinen Geist. Ich lerne etwas Nützliches und faulenze nicht, sondern lese etwas, das Anstrengung, Konzentration und Denkarbeit verlangt.
    5. Heute mache ich drei Seelenübungen: Ich erweise jemandem einen Gefallen, ohne dass er es merkt, mache jemandem eine Freude und tue etwas, das ich nicht gern tue, um in Übung zu bleiben.
    6. Heute möchte ich erfreulich sein. Ich mache mich so hübsch wie möglich, ziehe mich nett an, spreche leise , bin höflich, lobe oft, kritisiere niemand, nörgle nicht und versuche nicht, andere zu ermahnen oder zu verbessern.
    7. Heute lebe ich allein für diesen Tag und versuche nicht, alle Probleme meines Lebens auf einmal zu lösen. Zwölf Stunden kann ich Dinge tun, die ich hassen würde, wenn ich sie mein ganzes Leben tun müsste.
    8. Heute mache ich mir ein Programm. Ich teile die Zeit genau ein und schreibe es mir auf. Vielleicht halte ich die Einteilung nicht durch, aber immerhin habe ich sie gemacht. Damit vermeide ich zwei lästige Übel: Eile und Unentschlossenheit.
    9. Heute nehme ich mir eine ruhige halbe Stunde und entspanne mich. Dabei denke ich auch an Gott, um in mein Leben eine größere Dimension zu bringen.
    10. Heute bin ich ohne Angst, vor allem habe ich keine Angst davor, glücklich zu sein, das Schöne zu genießen, zu lieben und zu glauben, dass die Menschen mich auch lieben, die ich liebe.

 Eine freundliche Art wendet Zorn ab. Wir sollten jeden Abend alles und allen vergeben. Auf die Dauer gesehen, wird jeder Mensch für seine üblen Taten bestraft. Wer dies nicht vergisst, wird sich nie über jemanden ärgern oder empört sein, wird nie jemanden beschimpfen oder ihm Vorwürfe machen, wird nie jemanden beleidigen oder hassen.

 Der Prophet Muhammad (sas) sagt: „Wer nach den Fehlern oder Mängeln der Anderen sucht, nach dessen Fehlern und Mängeln wird Allah suchen, sie aufdecken und ihn blamieren, wenn es auch in seinen eigenen vier Wänden wäre.“

2.) Statt unsere Feinde zu hassen, wollen wir Mitleid für sie haben und Gott danken, dass das Leben uns nicht so gemacht hat wie sie. Statt sie mit Missbilligung und Rache zu überhäufen, sollten wir ihnen Verständnis entgegenbringen und Sympathie und ihnen helfen und vergeben und für sie beten. Versuchen wir nie, mit unseren Feinden abzurechnen, denn wir würden uns selbst mehr weh tun als ihnen. Neid und Haß zerfressen und zerstören das Glück desjenigen, der neidet und haßt.
„Ein wütender Mensch“, sagt Konfuzius, „ist immer voll Gift.“
Ungerechte Kritik an uns ist oft ein verkapptes Kompliment von Neidern. Aus gerechtfertigter Kritik können wir viel lernen. (Nur) einen toten Hund tritt man nie. Wenn man das Opfer ungerechter Kritik ist hilft es, einfach darüber zu lachen und weiterhin unser Bestes zu tun.

3.) Es ist nur natürlich, dass die Leute vergessen, sich zu bedanken. Wenn wir also herumlaufen und Dankbarkeit erwarten, machen wir uns nur selbst einen Haufen Kummer.
Dem idealen Menschen macht es Freude, anderen zu helfen. Wenn wir glücklich werden wollen, müssen wir aufhören, an Dankbarkeit oder Undankbarkeit zu denken und geben aus einer inneren Freude am Schenken.
Wenn wir dankbare Kinder haben wollen, müssen wir sie zur Dankbarkeit erziehen. Wir selbst sollen Dankbarkeit gegenüber Allah vorleben und Geschenke von anderen dankbar annehmen und würdigen, statt sie vor uns selbst oder den Kindern (aus Eifersucht) herunterzuspielen.

4.) Etwa neunzig Prozent aller Dinge in unserem Leben sind in Ordnung, nur etwa zehn Prozent sind es nicht. Wenn wir glücklich sein wollen, brauchen wir uns nur auf diese neunzig Prozent zu konzentrieren und die zehn, die nicht in Ordnung sind, nicht zu beachten. Wenn wir aber verbittert und ängstlich sein und ein Magengeschwür bekommen wollen, müssen wir es genau umgekehrt machen und nur die zehn Prozent sehen, die nicht so sind, wie wir es uns wünschen. Denken wir an all das, wofür wir dankbar sein müssen, und danken wir Gott für alle Geben und Wohltaten! Zählen Sie die Geschenke – nicht die Probleme! 

Eine objektiv gleiche Situation kann von zwei Menschen völlig anders empfunden und verarbeitet werden. Wenn er einen Schicksalsschlag erlitt, wird der eine sich vielleicht bei Allah bedanken für das, was ihm noch geblieben ist, denn es hätte noch schlimmer kommen können. Er wird darüber voller Hoffnung sein, dass Allah den im Leid geduldigen die Vergebung seiner Sünden und seine Belohnung im Jenseits versprochen hat. Er findet Ruhe im Gedanken, dass Allah das geschehen lässt, was am Besten für uns ist, auch wenn wir es vielleicht nicht verstehen können, und dass das Schicksal eines Menschen schon geschrieben steht und nicht geändert oder abgewendet werden kann. Ein Beispiel soll die Geschichte des Fährmannes sein, dessen Boot bei der Überfahrt auf den Befehl Allahs hin beschädigt wurde. Es erschien ihm wie ein großes Unglück, stellte sich aber als großes Glück heraus, denn der König des Landes lies alle Boote beschlagnahmen und verzichtete auf das Fährboot des Mannes, da es momentan fahruntauglich war. 

Der andere Mensch aber, der keinen Glauben hat, klagt und jammert über sein Schicksal, hadert mit sich, tyrannisiert dabei seine Mitmenschen und versinkt in Selbstmitleid und Trauer. Gerade die Unwissenheit über die Unabänderlichkeit des Schicksals ist für ihn die Quelle von Gram und Reue. Er denkt: Hätte ich dies und das doch nur anders gemacht, wäre ich doch nur nicht dorthin gegangen, wäre das alles nicht passiert…. Usw. Allah informiert uns über solche Menschen im Quran (3:156): „Oh die ihr glaubt, seid nicht wie diejenigen, die ungläubig sind und von ihren Brüdern, wenn sie im Lande umhergereist sind oder sich auf einem Kriegszug befunden haben, sagen: “Wenn sie bei uns geblieben wären, wären sie nicht gestorben und nicht getötet worden“, damit Allah dies zu einer gramvollen Reue in ihren Herzen mache. Allah macht lebendig und lässt sterben. Und was ihr tut, sieht Allah wohl.“

Wer sich übermäßig für weltliche Dinge anstrengt, macht sich mit diesem Streß krank. Was hat ein Mensch davon, wenn er die ganze Welt gewinnen könnte und dafür seine Gesundheit verlöre? Selbst wen einem die ganze Welt gehörte – man kann doch nur in einem einzigen Bett schlafen und auch nur dreimal am Tag essen. Sogar ein Lehrling ist dazu in der Lage – und er schläft wahrscheinlich besser und hat mehr Freude an seinem Essen als ein Spitzenmann.

Die Zufriedenheit ist eine Sache, die von innen heraus kommt. Wer genügsam im Herzen ist, den wird Allah mit Zufriedenheit belohnen. In einem Hadith qudsi heißt es: „Oh mein Diener. Ich habe dich für Mich geschaffen und ich habe alle Dinge für dich geschaffen. Du aber hast dich von dem abgewendet, wozu du erschaffen wurdest und dich gänzlich mit dem beschäftigt, was für dich geschaffen wurde. Oh mein Diener. Wenn du dich zufrieden gibst mit dem, was ich dir zugeteilt habe, wirst du zufrieden sein und erlangst du Meine Zufriedenheit mit dir. Und wenn du dich nicht damit zufriedengeben willst, was dir zugeteilt wurde, lasse ich die Welt dich beherrschen, bis du wie ein wildes Tier wirst, das hinter seiner Beute her rennt und keine Ruhe findet bei seiner Jagd; und trotzdem bekommst du nur das, was ich dir zugeteilt habe.“ Allah hat in unserer Umwelt Dinge geschaffen, die allen zugänglich sind, und die dem genügsamen Menschen Wohlbefinden und Zufriedenheit verschaffen. Der Prophet Muhammad (sas) sagt in einem Hadith: „Drei Dinge vertreiben die Trauer: Das Wasser, die grüne Natur und ein schönes Gesicht.“

 5.) Sei das Beste, was immer du bist. Finde zu Dir selbst und stehe zu Dir selbst. Du bist auf dieser Welt etwas ganz Neues! Sei froh darüber. Mache das Beste aus dem, was die Natur Dir mitgegeben hat. Neid ist Unwissenheit und Nachahmung Selbstmord.

 6.) Wenn das Leben Dir eine Zitrone gibt, mache Zitronenlimonade daraus. Vielen erfolgreichen Menschen gelang der Durchbruch, weil sich ihnen am Anfang Hindernisse in den Weg stellten, die sie zu großem Eifer anspornten und zu großen Zielen. 

Hierzu gibt es zwei schöne Geschichten :
Ein Mann wollte die Aufnahmeprüfung für die Al Azhar Universität ablegen, für die er viel vom Quran auswendig können musste und die dazugehörige Interpretation und einige Hadithe. Er fiel durch und ging geknickt nach Hause. Innerlich hatte er schon aufgegeben. Beim Mittagessen beobachtete er eine Ameise beim Erklimmen einer Mauer. Er sah, wie sie mit ihrer Last immer wieder herunterfiel und zählte 43 Versuche, die die Ameise unternahm, bis sie die Mauer erklimmen konnte. Er dachte bei sich: Diese Ameise hat 43 Versuche unternommen,  bis sie ihr Ziel erreichte und ich will nach dem ersten Versuch aufgeben? Es kann nicht sein, dass eine Ameise willensstärker ist als ich!“ Beim zweiten Versuch gelang es dem Mann, die Prüfung zu bestehen und er wurde ein Sheich von Azhar.

Ein Südägypter schickte seinen Sohn zum Studieren nach Kairo zur Al Azhar Universität. Als dieser nach 4 Jahren zurückkam und in der Moschee predigte, fing der Vater bitterlich an zu weinen. Er weinte nicht aus stolz auf seinen Sohn, sondern aus Kummer über seine eigene Unwissenheit. Am nächsten Tag ritt der 53-Jährige auf seinem Esel nach Kairo, was damals etwa einen Monat dauerte, und auch dort stellten sich ihm noch Hindernisse in den Weg. Er musste zunächst einen Alphabetisierungskurs besuchen, denn er konnte weder lesen noch schreiben! Dieser Mann starb später mit 96 Jahren  als von den führenden Gelehrten dieser Zeit gewählter, höchster Scheich von Azhar. 

7.) Bemühen Sie sich jeden Tag herauszufinden, wie Sie jemandem eine Freude machen können. Und was ist eine gute Tat? „Eine gute Tat“, sagt der Prophet Muhammad (sas), zaubert ein Lächeln der Freude auf das Gesicht des anderen.“  Man kann feststellen, dass die Leute strahlen vor Vergnügen, wenn man sich für sie interessiert. Wenn du anderen Gutes tust, tust du dir das Beste. Ein wenig Duft bleibt immer an der Hand zurück, die dir die Rosen reicht.

Der Prophet Muhammad (sas) sagt: „Dein Lächeln ins Gesicht deines Bruders wird von Allah wie eine Spende belohnt.“ Und auch: „Wer mit den Mitmenschen gnädig umgeht, mit dem wird Allah gnädig umgehen.“. Ebenso heißt es: „Wenn du etwas Gutes vorhast, beeile dich damit, es in die Tat umzusetzen und verschiebe es nicht“, denn der Impuls, gute Taten auf später zu verschieben, kommt vom Satan. Mit guten Taten und Veränderungen sollte man ohne Zögern beginnen. Im Quran (13:11) steht: „Wahrlich. Allah ändert die Lage eines Volkes nicht, bis sie sich selbst ändern.“

Ein berühmter Atheist sagte einmal: Wenn der Mensch der kurzen Spanne seines Lebens auch nur ein wenig Freude entlocken soll, muß er in Gedanken und Plänen die Dinge nicht nur für sich allein besser machen, sondern auch für seinen Nächsten, denn die Freude an ihm selbst hängt von seiner Freude an anderen ab und von ihrer an ihm. Diesen Weg gehe ich nur einmal. Wenn ich also etwas Gutes tun kann, wenn ich jemand meine Zuneigung zeigen kann  will ich es gleich tun. Ich will es nicht aufschieben noch unterlassen, denn ich komme an diesem Weg nicht noch einmal vorbei. Nehmen wir Anteil an unseren Mitmenschen und vergessen wir unser eigenes Unglück, indem wir unsere Mitmenschen ein wenig glücklich machen.
Franz von Assisi schrieb ein schönes Gebet: „Herr, mach mich zu einem Instrument deines Friedens. Wo Haß ist, laß mich Liebe säen. Wo Unrecht ist, Vergebung. Wo Zweifel ist, Glaube. Wo Verzweiflung ist, Hoffnung. Wo Dunkelheit ist, Licht. Wo Trauer ist, Freude. O Herr, unser Gott, gib, dass ich nicht so sehr verlange getröstet zu werden, als zu trösten; verstanden zu werden, als zu verstehen; geliebt zu werden, als zu lieben; denn im Geben empfangen wir, im Verzeihen wird uns verziehen, und im Sterben werden wir zum ewigen Leben geboren.“
Jeden Abend vor dem Schlafengehen sollten wir uns fragen: „Was für Fehler habe ich heute gemacht? Was war richtig – und wo hätte ich meine Sache besser machen können? Was kann ich aus dieser Erfahrung lernen? So können wir uns beständig verbessern. 
Der Prophet Muhammad (sas) sagte: „Zieht euch selbst zur Rechenschaft, bevor ihr zur Rechenschaft gezogen werdet (am Jüngsten Tag) und bewertet eure Taten, bevor sie für Euch in die Wagschale gelegt werden.“ Und „ der Vorwärtskommende ist derjenige, der sich selbst kritisch betrachtet und auf das Jenseits vorbereitet und der Gelähmte ist derjenige, der sich seinen Gelüsten überlässt und dabei Wünsche an Allah richtet.“

Im Quran steht (18:49): „Und das Buch wird hingelegt. Dann siehst du die Übeltäter besorgt wegen dessen, was darin steht. Sie sagen: „Oh wehe uns! Was ist mit diesem Buch? Es lässt nichts aus, weder klein noch groß, ohne es zu erfassen.“ Sie finden (alles), was sie taten gegenwärtig, und dein Herr tut niemandem Unrecht.“

Zum Abschluß: 
Gute Arbeitsgewohnheiten zur Vermeidung von Streß:

  • Tun Sie die Dinge in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit.
  • Wenn Sei ein Problem (oder eine Aufgabe) haben, lösen Sie es sofort, falls sie die zur Entscheidung nötigen Informationen haben. Schieben Sie eine Entscheidung nicht auf die lange Bank.
  • Lernen Sie zu organisieren, zu delegieren und zu beaufsichtigen.
  • Die größten und wirksamsten Heilkräfte liegen in festem Glauben, Schlaf, Musik und Lachen.
  • Ruhen Sie sich häufig aus. Ruhen Sie sich aus, ehe Sie müde werden.
  • Lernen Sie, sich bei ihrer Arbeit zu entspannen! Arbeiten Sie soviel wie möglich in bequemer Haltung. Entspannen Sie, wann immer Sie Zeit haben: Machen Sie dabei ihren Körper schlaff, wie eine alte Socke.
  • Wir alle müssen unsere Schwierigkeiten, unsere Ängste und Sorgen mit anderen Menschen teilen. Wir brauchen das Gefühl, dass es jemanden auf der Welt gibt, der zum Zuhören bereit ist und uns verstehen kann. Gott hört immer zu. Besänftigen und entspannen Sie den Geist und die Nerven im Gebet, indem Sie alles Gott überlassen und loslassen.
  • Beschäftigen wir uns nicht zuviel mit den Fehlern anderen Leute sondern entwickeln wir ein freundliches Interesse an denen, die zu unserem Leben gehören.
  • Eine der Hauptursachen der Müdigkeit ist die Langeweile. Wir werden selten müde, wenn wir etwas Aufregendes und Spannendes tun. Unsere Müdigkeit entsteht häufig nicht durch die Arbeit, sondern durch mangelndes Interesse an ihr, Sorgen, Frustration und Unzufriedenheit. Darum sollten wir unsere Arbeit so interessant wie möglich gestalten und versuchen, Freude daran zu haben. Machen Sie einen Wettbewerb mit sich selbst oder anderen, die Arbeit so gut wie möglich zu tun. Entwickeln Sie Ehrgeiz und Begeisterung. Seien sie stolz auf sich, wenn Sie ein Ziel erreichen. Denken Sie die richtigen Gedanken, und Ihre Arbeit wird weniger unerfreulich sein.

Exkurs: Wie gehe ich am besten mit Leid und Sorgen um? Teil 1


Sorge dich nicht – lebe!


Einleitung

In  dem Buch "Sorge dich nicht, lebe!" behandelt ein amerikanischer Anwalt namens Carnegie das Thema, wie wir unabhängig von den äußeren Lebensumständen, in denen wir uns befinden, ein glückliches und sorgenfreies Leben führen können. Im diesem Post folgt eine knappe Zusammenfassung dieses Buches. Der berühmte islamische Gelehrte Al Ghazali hat es ebenfalls gelesen und eine Antwort aus islamischer Sicht verfasst. Er sieht darin den Beweis dafür, dass der unverdorbene Mensch gemäß seiner Fitra, d.h. Naturanlage, von Allah zur Wahrheit geleitet wird, wenn er auch kein Muslim ist. Jeder Mensch ist dazu in der Lage, die ewigen Wahrheiten, die Allah als Gesetzmäßigkeiten in die Schöpfung gelegt hat, zu erkennen, wenn er in seinem Herzen rein und gesund ist. Viele Gedanken dieses Buches stimmen mit den Lehren in Quran und Sunna überein, und ich habe daher an manchen Stellen in grüner Schrift einige Kommentare aus islamischer Sicht eingefügt.



10 verschiedene Möglichkeiten, mit Sorgen umzugehen:


1.     Das Leben in Tagen von Einheiten gliedern

Unsere Hauptaufgabe ist nicht, zu sehen, was in vager Ferne liegt, sondern nur das zu tun, was das Nächstliegende ist. Wenn die Bürde von morgen mit der von gestern heute getragen werden muss, wankt auch der Stärkste. Das „Vater Unser“ lehrt uns, nur um das tägliche Brot zu bitten. Es enthält keine Klage über das alte Brot, das wir gestern essen mussten. Und es heißt in ihm auch nicht: „O Gott, es hat schon lange nicht mehr geregnet, vielleicht kommt eine neue Dürre – woher werde ich im Herbst mein Brot nehmen – vielleicht verliere ich meine Arbeit – o Gott, wie kann ich dann Brot kaufen?“ Nein, dieses Gebet lehrt uns, nur um das tägliche Brot zu bitten. Das tägliche Brot ist die einzige Art von Brot, die wir essen können. In der Bergpredigt steht: „Darum ängstigt Euch nicht um das Morgen; denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe.“ Also begnügen wir uns damit, den Zeitraum zu leben, den wir tatsächlich leben können: von jetzt bis zum Schlafengehen. Jeder Mensch kann seine Last tragen, wie schwer sie auch ist, bis die Nacht einbricht. Jeder Mensch kann seine Arbeit tun, wie schwer sie auch ist, für einen Tag. Jeder Mensch kann freundlich sein, geduldig, mitfühlend, rein, bis die Sonne untergeht. Und das ist alles, was im Leben wirklich zählt. Wir sollen weder das Leben in der Gegenwart auf später verschieben, noch die Vergangenheit bedauern. Der kluge Mann fängt jeden Tag wie ein neues Leben an. Das ist der Tag, den Allah macht. Lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein. Nutze diesen Tag und hole das meiste aus ihm heraus. 
  
In einem Hadith erzählt uns der Prophet Muhammad (sas): „Jeder Tag, der anbricht, spricht den Menschen an und sagt: Ich bin ein neuer Tag und ein Zeuge für deine Taten. Nutze mich, ich komme nie wieder!“
  
Der Prophet (der Friede und Segen Allahs seien auf ihm) sagt sinngemäß: „Wer Sicherheit genießt und Geborgenheit in seiner Familie, Gesundheit und die Nahrung für einen Tag, für den ist es, als ob er die ganze Welt besäße.“ Das bedeutet nicht, dass man nicht für die Zukunft planen soll, sondern, dass man sich nicht übermäßig darüber sorgen soll. In einem anderen Spruch heißt es: „Handle in deinem Leben im Diesseits so, als ob du ewig lebst und tue für das Jenseits, als ob du morgen stirbst.“ Es ist wichtig, diese Balance im Leben zu finden.


2.     Vorgehensweise in Angstsituationen

Ich analysiere die Situation ohne Angst, offen und ehrlich, und überlege, was sie schlimmste Folge meines Versagens sein könnte. Nachdem ich mir die schlimmstmöglichen Folgen klargemacht habe, beschließe ich, mich gegebenenfalls damit abzufinden. Von dem Zeitpunkt an bleibe ich gelassen und verwendete meine ganze Zeit und Energie auf den Versuch, die schlimmstmöglichen Folgen, die ich geistig bereits akzeptiert habe, abzumildern. Wenn wir uns auf das Schlimmste gefasst machen, haben wir nichts mehr zu verlieren. Und das bedeutet automatisch – dass wir alles zu gewinnen haben.
  
Im Islam sollen wir keine Furcht vor irgendetwas außer Allah empfinden. Wer Gottesfurcht in  seinem Herzen besitzt, dessen Herz kennt keine andere Furcht. Allah sagt in einem Hadith: „Ich sammle nicht zwei Ängste im Herzen meines Dieners.“ Als Muslime wissen wir, dass niemand Macht besitzt außer Allah und nur das geschieht, was Allah will und niemals etwas sein kann, was Allah nicht will. Ihn allein bitten wir um Hilfe und auf Ihn allein setzen wir unser Vertrauen. Ein sehr wichtiger Vers im Qur’an ist der sogenannte Thronvers. Seine Übersetzung lautet: „Allah, es gibt keine Gottheit außer ihm, dem Lebendigen, dem Ewigen. Weder Müdigkeit überkommt ihn, noch Schlaf. Ihm gehört, was in den Himmeln und was auf Erden ist. Wer ist es, der bei Ihm Fürsprache einlegen könnte außer mit seiner Ermächtigung? Er weiß, was vor ihnen liegt und was hinter ihnen ist; sie aber begreifen nichts von Seinem Wissen außer was Er will. Sein Thron umfasst die Himmel und die Erde, und es fällt Ihm nicht schwer, beide zu bewahren. Und Er ist der Hohe, der Erhabene.“ Was auch immer geschehen mag, es erfolgt aufgrund der unendlichen Weisheit unseres Schöpfers, der uns liebt und das Beste für uns will. Wir können das Gute darin vielleicht nicht sehen, aber am Ende wird es sich als solches herausstellen, wenn wir der Prüfung mit Geduld und Standhaftigkeit begegnen und Allah keine Vorhaltungen machen.  
  
Als Muslime haben wir die Möglichkeit, unseren Ängste und Sorgen mit Bittgebeten zu begegnen und damit unser Gottvertrauen zu stärken. Es gibt zum Beispiel Bittgebete, die man morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafen sprechen kann und Allah uns sagt, dass Er uns dann an diesem Tag und in dieser Nacht vor Trauer und Unglück behütet. Einmal brannte eine ganze Strasse nieder und ein Mann, dessen Haus in der Strasse stand blieb ganz gelassen. Die anderen wunderten sich und fragten: Hast du keine Angst um dein Haus? Er erwiderte: Ich weiß, dass meinem Haus nichts passiert, denn ich habe ein Bittgebet gesprochen, nach dem Allah mich vor Unglück beschützt. Das Haus war das einzige in der Strasse, das nicht abgebrannt war. Dies war ein Mann, der ein gutes Verhältnis zu seinem Schöpfer hatte und Ihm vollkommen vertraute. So hat Allah ihn dafür belohnt. Das Bittgebet geht folgendermaßen: Man spreche 7 mal „Hasbi Allahu, la ilaha illa huwa, <alaihi tawakkaltu wa huwa rabbu-l-<arschi-l-<azim.“ (Allah genügt mir (als Schutz und Helfer), außer Ihm gibt es keinen anderen Gott; in Ihn setzt ich mein Vertrauen und Er ist der Her des höchsten Thrones.). Man kann alternativ auch ein Mal am Tag folgende Sätze sprechen: „Allahumma anta rabbi, la ilaha illa ant. <alaika tawakkaltu wa anta rabbu-l-<arschi-l-<azim. Ma scha’ Allahu kana, wa ma lam jascha’, lam jakun. La haula wa la quwwata illa bi llahi-l-allijji-l-<azim. <alamu an Allah <ala kulli schai’in qadir wa anna llaha qad ahata bi kulli schai’in <ilman. Allahumma inni <audhu bika min scharri nafsi wa min scharri kulli dabbatin; anta achidhun bi nasiatiha, inna rabbi <ala siratin mustaqim.“ Die ungefähre Übersetzung ist: Oh Allah, Du bist mein Herr, es gibt keinen anderen Gott außer Dir. In Dich setzte ich mein  Vertrauen und Du bist der Herr des höchsten Thrones. Was Allah will, geschieht und was er nicht will, wird niemals sein. Es gibt keine Macht oder Kraft außer bei Allah, dem Höchsten, dem Allmächtigen. Ich weiß, dass Allah zu allem die Macht hat und dass Allah alle Dinge mit seinem Wissen umfasst. Oh Allah, wahrlich ich nehme meine Zuflucht zu Dir vor dem Übel in mir selbst und vor dem Übel in jedem Geschöpf. Du bist derjenige, der sie fest im Griff hat. Wahrlich, du bist mein Herr auf dem geraden Weg.


3.     Problemlösungstechnik

Man sollte sich bei jedem Problem die folgenden 4 Fragen stellen und beantworten:

1. Worüber mache ich mir Sorgen? / Wie lautet das Problem und was ist seine Ursache?
2. Was kann ich tun? / Welche Lösungen sind möglich?
3. Wie entscheide ich mich? / Welche Lösung wähle ich?
4. Wann setze ich meine Entscheidung in die Tat um?

Um diese Fragen endgültig und richtig beantworten zu können, gelten folgende Regeln: Sammeln sie die Fakten. Wägen Sie sorgfältig alle Fakten gegeneinander ab und treffen Sie dann eine Entscheidung! Wenn Sie eine gründlich überlegte Entscheidung getroffen haben, handeln Sie! Machen Sie sich eifrig daran, sie zu verwirklichen – und lassen Sie die Grübeleien über das Ergebnis sein!

Im Islam haben wir das Beratungsgebet, das uns bei Entscheidungen helfen soll. Wer sich bei den Menschen Rat holt, wird nicht verlieren und wer das Beratungsgebet spricht, wird seine Entscheidung nie bereuen. Voraussetzung ist aber immer der feste Glaube und Gehorsam gegenüber Allah. Wer das Beratungsgebet sprechen möchte, muss zusätzlich zu den 5 Pflichtgebeten am Abend 2 Rakat beten und nach dem Beratungsgebet rein (mit Wudo’) ins Bett gehen und schlafen. Allah beantwortet dieses Bittgebet nicht immer gleich. Manche haben Sehungen im Traum, bei manchen ist es die Folge der Ereignisse, die ihnen Hinweise auf die richtige Entscheidung gibt. Allah macht uns leicht, was gut für uns ist und erschwert uns den schlechten Weg.  
Man spricht folgende Worte: „Allahumma inni astachiruka bi <ilmika wa astaqdiruka bi qudratika wa as’aluka min fadlika-l-<adhim. Fa innaka taqdiru wa la agdir, wa ta<alamu wa la <alam, wa anta al <alamu-l-ghujjub. Allahumma in kunta ta<alamu anna hadha-l-amra chairun li; fi dini wa ma<aschi wa aqibatu amri; fa-qdurhu li wa yassirhu li thumma barik li fih. Wa in kunta ta<alamu anna hadha-l-amra scharrun li; fi dini wa ma<aschi wa aqibati amri; fa-srifhu <anni wa-qdur li-l-chaira haithu kann; thumma ardini bih.“ Die Übersetzung lautet sinngemäß: „Oh Allah, ich bitte Dich um die richtige Eingebung bei Deiner Allwissenheit und Deiner Allmacht, und frage Dich nach Deiner unbeschränkten Huld. Denn Du hast die Allmacht und ich habe keine Macht und Du weißt, während ich nicht weiß, und Du bist Der, Der das Verborgene kennt. Oh Allah, wenn Du weißt, dass diese Sache – man nennt sie – mir Gutes in meinem Glauben, meinem Leben und meinem Ende bringt, dann bestimme sie mir, erleichtere sie mir und segne mich darin. Und wenn Du weißt, dass diese Sache mir Schlechtes in meinem Glauben, meinem Leben und meinem Ende verheißt, dann wende sie von mir ab, wende mich von ihr ab und bestimme mir das Gute, wo immer es sein mag; dann lasse mich zufrieden damit werden.“ Dieser letzte Satz „lasse mich zufrieden damit werden“ ist sehr wichtig. Denn wenn wir das Urteil Allah anvertraut haben, müssen wir auch unser Vertrauen dadurch beweisen, dass wir mit seiner Entscheidung einverstanden und zufrieden sind; egal, wie sie ausfällt.


4.     Beschäftigung und Ablenkung

Verscheichen sie die Sorgen aus Ihren Gedanken, indem sie sich beschäftigen- Jeder Psychiater wird Ihnen bestätigen, dass Arbeit – Beschäftigtsein – eines der wirksamsten bekannten Beruhigungsmittel für kranke Nerven ist.

In einem Hadith heißt es: „Es gibt zwei Gaben Allahs, die von vielen Menschen nicht geschätzt werden: die Gesundheit und die Zeit.“ Wir sollen unsere Zeit nicht mit Müßiggang verschwenden, sondern sie dazu nutzen, Gutes und Sinnvolles zu tun, bevor es zu spät sein könnte. Ein ähnliches Hadith ermahnt uns sinngemäß: „Nutze 5, bevor 5 eintreten: Dein Leben vor dem Tod, deine Gesundheit vor der Krankheit, deine Zeit vor der Vollbeschäftigung, deine Jugend vor dem Greisenalter und dein Vermögen vor dem Unvermögen /der Armut.
 

5.) Keine Kleinlichkeit

Häufig sind es die Kleinigkeiten, die an uns nagen, die kleinen Ärgernisse. Dies sollten wir nicht zulassen. Ein Riese des Waldes, den weder Alter noch Blitze oder Stürme hatten fällen können, stürzte unter den Angriffen von Käfern, so klein, dass ein Mensch sie zwischen Daumen und Zeigefingern zerdrücken könnte. Gleichen wir nicht alle diesem tapferen Waldriesen? Schaffen wir es nicht irgendwie immer wieder, die Blitze und Stürme und Lawinen des Lebens zu überstehen, nur damit unsere Herzen von den kleinen Käfern der Sorge, des Ärgers, zerfressen werden? Lassen wir es nicht zu, dass wir uns über Nebensächlichkeiten aufregen, die wir nicht beachten, sondern schnellstens vergessen sollten. Denken Sie immer daran: Das Leben ist zu kurz für Kleinlichkeit! Also regen Sie sich nicht über Kleinigkeiten auf! Erlauben Sie nicht, dass unwichtige Dinge – die wahren Termiten des Lebens – Ihr Glück zerstören.


6.) Verstand statt Gefühl

Benutzen Sie die Wahrscheinlichkeitsrechnung, um ihre Sorgen und Ängste abzubauen. Meistens treffen die Befürchtungen, die wir haben, gar nicht ein. Prüfen wir unsere Informationen. Fragen wir uns immer: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Dinge, über die ich mir Sorgen mache, auch tatsächlich passieren? In den meisten Fällen wird sich herausstellen, dass solche Sorgen unangebracht sind.


7.) Akzeptieren des Unvermeidlichen mit Gottvertrauen

Wenn einen ein Schicksalsschlag trifft, muß man das Unvermeidliche akzeptieren und in Geduld ertragen. Jiu-Jitsu-Meister lehren ihre Schüler, nachzugeben wie die Weide, nicht festzustehen, wie die Eiche, damit sie unter der Last des Schnees nicht brechen. Wir müssen lernen, leicht zu nehmen, was sein muß!
Der Leitspruch sollte sein: Gott gebe mir die Gelassenheit, hinzunehmen, was ich nicht ändern kann. Er gebe mir den Mut und die Kraft, das zu ändern, was ich ändern kann. Und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.
Wenn wir glauben, dass Allah die Geschicke lenkt, können wir in Gelassenheit ausharren und überzeugt sein, dass sich zum Schluss alles zum Besten wendet. „Gott, nicht wie ich will, sondern wie Du willst.“ Ein Mann allein kann leicht geschlagen werden, aber wenn die Kraft Gottes in ihm wirkt, ist er unbesiegbar. „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“
Das Gebet ist wie das Radium eine Quelle lichter, ständiger Energie… Im Gebet trachtet der Mensch danach, seine begrenzte Energie durch Hinwendung zum unendlichen Ursprung aller Energien zu vermehren. Wenn wir beten, verbinden wir uns mit der unerschöpflichen bewegenden Kraft, die das Universum dreht… Immer wenn wir uns Gott in innigem Gebet nähern, verändern sich Seele wie Körper zu ihrem Vorteil. Es ist unmöglich, dass irgendein Mann oder irgendeine Frau auch nur eine Sekunde betet, ohne eine positive Wirkung zu verspüren.
  
Der Glaube ist eine gute Energiequelle, um die Stürme des Lebens besser zu überstehen; wie ein Baum mit starken Wurzeln im Vergleich zu einem schwachen Baum. Der Prophet (salla Llahu alaihi wa salam) sagt: „Der Gläubige, der stark im Glauben ist, ist besser und bei Allah mehr geliebt als der Gläubige, dessen Glaube schwach ist.“ Im Quran (13:28) steht: „Allah leitet zu sich, wer sich Ihm reuig zuwendet. Es sind diejenigen, die glauben und deren Herzen im Gedenken Allahs Ruhe und Geborgenheit finden. Sicherlich, im Gedenken Allahs finden die Herzen Ruhe und Geborgenheit.“


8.) Analyse der Wichtigkeit

  Setzen Sie Ihren Sorgen eine Grenze. Wenn wir versucht sind, für etwas mit Lebensqualität zu bezahlen, stellen wir uns folgenden drei Fragen   
  
1. Wie wichtig ist die Sache eigentlich, über die ich mir Sorgen mache?           
2. An welchen Punkt soll ich für meine Sorge eine Grenze setzen und sie limitieren?  
3. Wieviel muß ich für diese Sache bezahlen? Habe ich mehr bezahlt als sie wert ist? 

Wenn eine Sache es nicht wert ist, steigen sie aus.


9.) Nach vorne blicken

Lassen sie Vergangenes vergangen sein. Es ist nicht mehr zu ändern. Blicken Sie nach vorn.


PdW - Teil 13: Warum läßt Gott überhaupt Leid zu?

Hiermit beginnt ein neues Kapitel in der Zusammenstellung "Perlen der Weisheit im Islam". Viele Menschen haben ihren Glauben an Gott verloren, weil sie selbst Leid erfuhren oder das Leid der anderen sahen. Ihre Frage lautet: Wenn es wirklich einen Gott gibt, warum lässt er dieses Leid überhaupt zu? 
Die Frage des Leides auf der Welt und der Prüfungen im Leben ist ein wichtiges Thema und soll im Folgenden näher beleuchtet werden. Die Gründe und Ursachen für Leid und Prüfungen sind vielfältig: Manche Prüfungen dienen dazu, den Glauben der Menschen zu testen und auf die Probe zu stellen oder sie sollen sie aufrütteln und zur Umkehr bewegen. Anderes Leid hingegen bringen wir selbst über uns, als Konsequenz unserer Handlungen, und manches Leid ist in Wahrheit ein Segen, den die Menschen nur nicht als solchen begreifen, weil ihnen die Alternative - als Teil des verborgenen Wissens Allahs - unbekannt ist. Wird jemand von Prüfungen heimgesucht, so ist dies auch jedesmal eine Chance für ihn, dass Allah ihm von seinen Sünden erläßt und dass er - wenn er geduldig und dankbar ist - großen Lohn und Barmherzigkeit empfängt. Sehen wir, was Qur'an und die Hadithe dazu sagen:

9. Über Prüfungen und Schicksal


9.1 Das Erkennen der Guten durch Prüfungen

Wahrlich, Wir machten alles, was auf der Erde ist, zu einem Schmuck für sie, auf dass Wir sie prüften, wer unter ihnen der Beste im Wirken sei. Und gewiss, Wir werden alles, was auf ihr ist, in dürren Wüstenstaub verwandeln. (18:7-8)

Und das irdische Leben ist nichts als ein trügerischer Nießbrauch. Wahrlich, ihr sollt geprüft werden in eurem Gut und an euch selber, und wahrlich, ihr sollt viele verletzende Äußerungen von denen hören, welchen die Schrift vor euch gegeben wurde und von denen, die Allah Gefährten (zur Seite) setzen. Wenn ihr jedoch geduldig und gottesfürchtig seid – dies ist wahrlich ein Zeichen von fester Entschlossenheit. (3:186)

Allah gedenkt, die Gläubigen nur so lange in der Lage zu belassen, in welcher ihr seid, bis dass er die Schlechten von den Guten gesondert hat. (3:179)

Meinen die Menschen, sie würden in Ruhe gelassen werden, wenn sie bloß sagten: „Wir glauben“, und meinen sie, sie würden nicht auf die Probe gestellt? Und Wir stellten doch die auf die Probe, die vor ihnen waren. Also wird Allah gewiss die erkennen, die wahrhaftig sind, und gewiss wird Er die Lügner erkennen. (29:2-3)


9.2 Der Segen von Dankbarkeit und Geduld

Der Prophet (Allahs Frieden und Heil auf ihm) hat gesagt: „Der größte Lohn (kommt) mit der größten Prüfung, und wenn Allah, der Erhabene, Leute liebt, setzt Er sie Prüfungen aus, und wer sich damit zufrieden gibt, dem wird Allahs Wohlgefallen zuteil, und wer damit hadert, dem wird Allahs Missfallen zuteil.“ (Anas; Tirmidhi)

Und wisset, dass euer Gut und eure Kinder nur eine Versuchung sind und dass bei Allah großer Lohn ist. O ihr, die ihr glaubt, wenn ihr Allah fürchtet, wird Er euch Entscheidungskraft gewähren und eure Übel von euch nehmen und euch vergeben; und Allah ist voll großer Huld (8:28-29)

So gedenkt also Meiner, damit Ich euer gedenke; und seid Mir dankbar und verleugnet mich nicht. O ihr, die ihr glaubt, sucht Hilfe in der Geduld und im Gebet; wahrlich Allah ist mit den Geduldigen. Und nennt nicht diejenigen, die auf Allahs Weg getötet wurden, „Tote“. Denn sie leben, ihr aber nehmt es nicht wahr. Und gewiss werden Wir euch prüfen durch etwas Angst, Hunger und Minderung an Besitz, Menschenleben und Früchten. Doch verkünde den Geduldigen eine frohe Botschaft, die wenn sie ein Unglück trifft, sagen: „Wir gehören Allah und zu Ihm kehren wir zurück.“ Auf diese lässt ihr Herr Segnungen und Barmherzigkeit herab und diese werden rechtgeleitet sein. (2:152-157)

Allahs Gesandter (Allahs Frieden und Heil auf ihm) hat gesagt: „Wenn das Kind eines Knechtes (Allahs) stirbt, spricht Allah, der Erhabene, zu Seinen Engeln: „Habt ihr (die Seele ) des Kindes meines Knechtes genommen?“ Sie antworten: „Ja.“ Er spricht: „Habt ihr ihm (die allerliebste) Frucht seines Herzen genommen?“ Sie antworten: „Ja.“ Er spricht: „Was hat mein Knecht gesagt?“ Sie sagen: „Er hat Dich gepriesen und gesagt: Wir sind Allahs und zu Ihm kehren wir zurück.“ Dann spricht Allah, der Erhabene: „Baut Meinem Knecht ein Haus im Paradies und nennt es „Haus der Lobpreisung“.“ (Abu Musa al-Aschari; Tirmidhi)

Der Prophet (Allahs Frieden und Heil auf ihm) hat gesagt: “Wer sich auf die Wangen schlägt, die (Hemd-) Kragen zerreißt und laut klagt wie in der Zeit der Unwissenheit, gehört nicht zu uns.“ (Abdullah; Buchari)

Wenn Wir dem Menschen von Unserer Barmherzigkeit zu kosten geben, so freut er sich über sie. Doch wenn ein Unheil sie um dessentwillen trifft, was ihre Hände vorausgeschickt haben – siehe, dann ist der Mensch undankbar. Allahs ist das Königreich der Himmel und der Erde. Er schafft, was Er will. Er beschert Mädchen, wem Er will, und Er beschert Knaben, wem Er will. Oder er gibt beide, Knaben und Mädchen, und Er macht unfruchtbar, wen Er will. Er ist Allwissend, Allmächtig. (42:48-50)

Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Wenn jemand von euch auf einen anderen schaut, der ihm gegenüber an Gütern und Nachkommenschaft bevorzugt wurde, so soll er auf einen anderen schauen, der ihm unterlegen ist und vor dem er selbst gegenüber bevorzugt wurde.“ [Sahih Muslim Nr. 5263 (im arabischen)]

Diese Verse verdeutlichen einen der Gründe für die sogenannten Schicksalsschläge. Allah will  unseren Glauben und Gehorsam auf die Probe stellen -  mit Versuchungen und Entbehrungen -  und wird uns für Dankbarkeit und Demut  im Glück sowie Geduld und Standhaftigkeit im Unglück mit Seiner Vergebung und Barmherzigkeit belohnen .(Wie z.B. auch das Beispiel des Propheten Job (Ajjub) verdeutlicht).


9.3 Prüfungen als Strafe und Chance zur Umkehr

Sehen sie denn nicht, dass sie in jedem Jahr einmal oder zweimal geprüft werden? Dennoch bereuen sie nicht und lassen sich nicht ermahnen. (9:126)

Und stelle ihnen das Gleichnis von zwei Männern vor: für den einen von ihnen schufen Wir zwei Rebgärten und umgaben sie mit Dattelpalmen, und dazwischen legten Wir Kornfelder an. Beiden brachten ihre Früchte hervor und versagten ihnen nichts. Und in ihrer Mitte ließen wir einen Bach hervorsprudeln. Und (der Garten) trug für ihn Früchte. Er sagte in herausforderndem Ton zu seinem Gefährten: „Ich bin reicher als du an Besitz und mächtiger an Gefolgschaft.“ Und er betrat seinen Garten, während er sündig gegen sich selbst war. Er sagte: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser je zugrunde gehen wird, noch glaube ich, dass die Stunde heraufkommen wird. Selbst wenn ich zu meinem Herrn zurückgebracht werde, so werde ich ganz gewiss einen besseren Aufenthalt als diesen finden.“ Sein Gefährte sagte zu ihm, indem er sich mit ihm auseinander setzte: „Glaubst  du denn nicht an Ihn, der Dich aus Erde erschaffen hat, dann aus einem Samentropfen, (und) dich dann zu einem vollkommenen Mann bildete? Was jedoch mich betrifft – Allah ist mein Herr, und nie will ich meinem Herrn etwas anderes zur Seite stellen. Warum hast du nicht damals, als du deinen Garten betratest, gesagt: „Was Allah will, (das geschieht); es gibt keine Macht außer bei Allah.“? Wenn du mich auch geringer als dich selbst an Besitz und  Nachkommenschaft siehst, so wird mein Herr mir vielleicht (etwas) Besseres als deinen Garten geben und wird auf ihn ein Strafgericht vom Himmel hernieder senden, so dass er zu ödem Boden wird. Oder sein Wasser versiegt so tief im Boden, dass du nimmer imstande sein wirst, es herauszuholen.“ Da wurde seine Frucht verwüstet, und er begann die Hände zu ringen wegen all dem, was er für den (Garten), dessen Bau zerfallen dalag, ausgegeben hatte. Er sagte: „Hätte ich doch meinem Herrn niemanden zur Seite gestellt!“ Und er hatte keine Schar, die ihm gegen Allah zu helfen vermochte, und er konnte sich selbst nicht wehren. Insofern gibt es Schutz nur bei Allah, dem Wahren. Er ist der Beste im Belohnen und der Beste, was den Ausgang (der Dinge) anbelangt. (18:32-44)

Wenn der Mann hier ausruft: Hätte ich doch Allah nichts zur Seite gestellt, so ist in diesem Fall offensichtlich nicht gemeint, dass er ein Götzendiener war. Vielmehr ist es auch eine Art von Vielgötterei, wenn man auf jemand anderen oder etwas anderes vertraut als Allah - zum Beispiel sich selbst - und sich auf seinen eigenen Status etwas einbildet, obwohl alles Gute, das man besitzt, ein Geschenk von Allah ist. Allah hat es gegeben und Allah kann es wieder wegnehmen - und der Mensch darf diese höhere Macht niemals vergessen. Wer dankbar ist, den wird Allah belohnen und wer undankbar ist, den trifft irgendwann seine Strafe.

Und wahrlich, Wir werden sie vor der größeren Strafe von der diesseitigen Strafe kosten lassen, damit sie sich vielleicht doch noch bekehren. (32:21)

Allahs Gesandter hat gesagt: „Wenn Erbeutetes als (eigenes) Vermögen angesehen wird, anvertrautes Gut als (persönlicher) Gewinn, Zakat als Strafe, wenn man studiert ohne Religion, wenn der Mann seiner Frau gehorcht und seiner Mutter nicht, wenn er die Nähe seines Freundes sucht und seinen Vater weit von sich weist, wenn die Stimmen in den Moscheen laut werden, der Frevler Herr über seinen Stamm ist, der Führer des Volkes der Verachtetste ist, wenn ein Mann aus Furcht vor seiner Bosheit geehrt wird, wenn Sängerinnen und Musikinstrumente große Bedeutung erlangen, alkoholische Getränke getrunken und die späteren (Generationen) dieser Umma (Gemeinde) die früheren verfluchen, dann seid gefasst auf roten Wind, Erdbeben, Finsternis, Missgestaltung, Geschosshagel und andere Zeichen, die aufeinanderfolgen wie aufgereihte Perlen, deren Schnur durchschnitten wird und die daraufhin eine nach der anderen herunterfallen.“ (Abu Huraira; Tirmidhi)

 Die zweite Art der Prüfung dient dazu, den Menschen aufzurütteln und zum Nachdenken zu bewegen, damit er sich Allah zuwendet und errettet werden kann. Oder die Strafe Allahs trifft den Menschen als Warnung und Ermahnung vor einer noch schlimmeren Strafe im Jenseits.

Abd Allah ibn Umar – möge Allah mit ihm zufrieden sein – berichtete: „Der Prophet – Allah segne ihn uns schenke ihm Frieden – kam zu uns und sprach: „O ihr Auswanderer, fünf Arten von Prüfungen werden über euch kommen. Möge Allah euch davor bewahren, dass ihr sie erleben müsst. Wenn sich die Unzucht verbreitet, werdet ihr feststellen, dass dies nie geschieht, ohne dass neue Krankheiten, unter denen frühere Generationen nie gelitten haben, die Menschen befallen. (dies sind zum Beispiel sexuell übertragbare Krankheiten wie Tripper, Syphilis, Hepatitis oder aktuell Aids) Wenn die Menschen anfangen, beim Abwiegen der Waren zu betrügen, werdet ihr feststellen, dass dies nie geschieht, ohne dass Dürre und Hungersnot über sie kommen und ihre Herrscher sie tyrannisieren. Wenn die Menschen anfangen, die Armenabgabe zurückzuhalten, werdet ihr feststellen, dass dies nie geschieht, ohne dass der Regen aufhört zu fallen; und wäre es nicht um der Tiere willen, es würde nie mehr regnen. Wenn die Menschen ihren Bund mit Allah und Seinem Gesandten brechen, werdet ihr feststellen, dass dies nie geschieht, ohne dass Allah einen Feind gegen sie schickt, der ihnen mit Gewalt ihren Besitzt wegnimmt. Wenn die Herrschenden nicht gemäß dem Buche Allahs regieren, werdet ihr feststellen, dass dies nie geschieht, ohne dass Allah sie in Gruppierungen aufspaltet und sie einander bekämpfen lässt. (Ibn Madscha)

Wenn die Mehrheit einer Gesellschaft schlecht ist, trifft sie vielleicht Allahs Strafe. Wenn das geschieht, sind alle davon betroffen, die sich in dieser Gesellschaft aufhalten. Die Muslime sollten daher danach streben, die Menschen in ihrer Umgebung zum rechten Handeln aufzurufen oder, wenn es sehr schlimm ist, von Orten weggehen, an denen sie nicht oder nur sehr schwer nach ihren Überzeugungen leben können.


9.4 Prüfungen und Leid aufgrund der Gesetzmäßigkeiten im Universum

Und hütet euch vor einer Drangsal, die gewiss nicht bloß die unter euch treffen wird, die Unrecht getan haben. Und wisset, dass Allah streng im Strafen ist. (8:25)

Allah fordert von keiner Seele etwas über das hinaus, was sie zu leisten vermag. Ihr wird zuteil, was sie erworben hat, und über sie kommt, was sie sich zuschulden kommen lässt. (2: 286)

Wenn jemand das Rechte tut, so tut er es für sich selbst; und wenn jemand Böses tut, so handelt er gegen sich selbst. Und dein Herr ist niemals ungerecht gegen die Menschen. (41:46)

Die dritte Art von Leiden bringt der Mensch über sich selbst als Konsequenz aus seinen Handlungen im Rahmen der materiellen und geistigen Naturgesetze, welche die Muslime die „Gewohnheit Allahs“ nennen. Daher muss der Mensch vernünftig handeln und dabei die Gesetzmäßigkeiten berücksichtigen, denen das Universum unterliegt. Wer leichtsinnig handelt, riskiert einen Schaden und ist dann auch selbst verantwortlich dafür.

Ein Mann sagte (einmal): „Allahs Gesandter, soll ich (mein Reittier) anbinden oder auf Allah vertrauen und es unangebunden lassen?“ Er antwortete: „Binde es an, und vertraue auf Allah.“ (Anas; Tirmidhi)

Unheil ist auf dem Festland und auf dem Meer sichtbar geworden um dessentwillen, was sie Hände der Menschen gewirkt haben, auf dass er sie die (Früchte) so mancher ihrer Handlungen kosten lasse, damit sie sich besännen. (30:41)

Mit heutigen Augen betrachtet ist das Unheil, das der Mensch über sich selbst gebracht hat, immens: globale Erwärmung, Überfischung der Meere, Zerstörung der Ozonschicht, atomare Verseuchungen und Vergiftungen der Gewässer und Böden etc. Allah lässt es zu, dass wir die Auswirkungen dieser Handlungen spüren: Unwetterkatastrophen, Brände, Stürme, Überschwemmungen etc., damit wir daraus lernen, und es in Zukunft besser machen. Wir - nicht Allah - sind der Grund für all diese Übel; wir müssen ausbaden, was wir uns selbst  eingebrockt haben.

Und als euch ein Unglück traf, obwohl ihr (euren Gegnern) bereits ein doppelt so schlimmes zugefügt hattet, sprachet ihr da etwa: „Woher (kommt) dies?“ Sprich: „Es kommt von euch selber.“ Siehe, Allah hat Macht über alle Dinge. Und was euch am Tage des Zusammenstoßes der beiden Scharen traf, das geschah mit Allahs Erlaubnis, und damit Er die Gläubigen erkennt. (3:165-166)

Diese Verse  beziehen sich auf die Schlacht von Uhud, bei der die Muslime zunächst siegreich zu sein schienen und dann einige Männer einer Anweisung des Propheten zuwiderhandelten, wodurch ein erneutes Angriffsmanöver der Gegner den Muslimen schweren Schaden zufügen konnte. Allah hat dies geschehen lassen, um die Gläubigen zu prüfen und die Folgen ihres Ungehorsams kosten zu lassen. Im Allgemeinen kann man daraus die Lehre ziehen, dass uns oftmals Schlechtes widerfährt, weil wir selbst Fehler begehen. Dieses Übel überkommt uns dann als Strafe und Lehre für die Zukunft. Wir haben es nur uns selbst zuzuschreiben.


9.5 Die Vergebung von Sünden durch Prüfungen

Da erhörte sie ihr Herr (und sprach):  „Seht, Ich lasse kein Werk der Wirkenden unter euch verloren gehen, sei es von Mann oder Frau; die einen von euch sind von den anderen. Und diejenigen, die da auswanderten und aus ihren Häusern vertrieben wurden und auf Meinem Weg litten und kämpften und fielen – wahrlich, tilgen will Ich ihre Missetaten und wahrlich, führen will Ich sie in Gärten, durch die Bäche fließen, als Lohn von Allah.“ Und bei Allah ist die beste Belohnung. (3:195)

Abu Sa`id, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete: Ich hörte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagen: „Niemals wird der Gläubige dauernde Schmerzen, Anstrengung, Krankheit oder Kummer erleiden, selbst wenn es nur Sorgen sind, ohne dass Allah ihm dies als Sühne für seine Missetaten zurechnet.“ [Sahih Muslim Nr. 4670 (im arabischen)]

„…Dies ist nur eine Prüfung von Dir. Damit führst Du irre, wen Du willst, und weist den Weg, wem Du willst. Du bist unser Beschützer; so vergib uns denn und erbarme Dich unser; denn Du bist der Beste der Vergebenden. Und bestimme für uns Gutes sowohl im Diesseits als auch im Jenseits; denn zu Dir sind wir reuevoll zurückgekehrt.“ (7:155-156)

Allahs Gesandter (Allahs Frieden und Heil auf ihm) hat gesagt: „Gläubige Männer und Frauen werden so lange Prüfungen ausgesetzt – sie selbst, ihre Kinder, ihr Hab und Gut – bis sie Allah, dem Erhabenen, entgegentreten, und sie haben Ihm gegenüber keine Sünde (mehr auf sich).“ (Abu Huraira; Tirmidhi)

Prüfungen und Leid dienen demnach auch dazu, die Sünden der Menschen zu tilgen. Vielleicht gewinnen sie dadurch das Paradies und werden vor viel größerem Leid bewahrt.


9.6 Prüfungen als Schutz vor etwas noch Schlechterem oder vor Sünde

Und wenn Allah die Mittel zum Unterhalt für Seine Diener erweitern würde, so würden sie übermütig auf Erden sein; doch Er sendet (Seine Gaben) in dem Maße hinab, wie Er es will; denn Er kennt und durchschaut Seine Diener recht wohl. .. Und was euch an Unglück treffen mag, es erfolgt auf Grund dessen, was eure Hände gewirkt haben. Und Er vergibt vieles. (42:27+30)

Doch es mag sein, dass euch etwas widerwärtig ist, was gut für euch ist, und es mag sein, daß euch etwas lieb ist, was übel für euch ist. Und Allah weiß es, doch ihr wisset es nicht. (2:216)

Des Weiteren empfinden wir eine Sache vielleicht als Prüfung, die in Wahrheit ein Segen ist. Nur Allah kennt das Verborgene und die Gläubigen sollen fest darauf vertrauen, dass immer das geschieht, was am Besten für uns und unsere geistige Entwicklung ist. So mancher Mensch wurde durch den Reichtum verdorben und einige müssen erst ganz tief fallen, bevor ein Neuanfang möglich wird.

Und Moses sagte zu seinem jungen Diener: „Ich will nicht eher rasten, als bis ich den Zusammenfluss der beiden Meere erreicht habe, und sollte ich jahrhundertelang wandern.“ Doch als sie den Zusammenfluss der beiden (Meere) erreicht hatten, da vergaßen sie ihren Fisch; und dieser nahm seinen Weg und schwamm ins Meer hinaus. Und als sie weitergegangen waren, sagte er zu seinem jungen Diener: „Bring uns unsere Speise. Wir haben wahrlich auf dieser unserer Reise große Anstrengungen auf uns genommen.“ Er sagte: „Hast du nicht gesehen, dass sich der Fisch da auf wundersame Weise ins Meer begab, als wir auf dem  Felsen rasteten und ich ihn vergaß – und kein (anderer) als Satan ließ mich vergessen, ihn  zu erwähnen?“ Er sagte: „Das ist es, was wir wollten.“ (weil er auf der Suche nach einem Diener Allahs ist, dem Allah von Seinem Wissen gegeben hat)  Da kehrten sie beide um und schritten auf ihren Spuren zurück. Dann fanden sie einen Unserer Diener, dem Wir Unsere Barmherzigkeit verliehen und den Wir Unser Wissen gelehrt hatten. Moses sagte zu ihm: „Darf ich dir folgen, auf dass du mich über das rechte Handeln belehrst, wie du gelehrt worden bist?“ Er sagte: „Du vermagst nimmer bei mir in Geduld auszuharren. Und wie könntest du bei Dingen geduldig sein, von denen dir keine Kunde gegeben worden ist?“ Er sagte: „Du wirst mich, so Allah will, geduldig finden, und ich werde gegen keinen deiner Befehle ungehorsam sein.“ Er sagte: „Nun gut. Wenn du mir folgen willst, so frage mich nach nichts, bis ich es dir von selbst erkläre.“ So machten sich beide auf den Weg, bis sie in ein Schiff stiegen, in das er ein Loch schlug. Er (Moses) sagte: „Schlugst du ein Loch hinein, um seine Mannschaft zu ertränken? Wahrlich, du hast etwas Schreckliches begangen!“ Er sagte: „Habe ich nicht gesagt, du würdest es nimmer fertig bringen, bei mir in Geduld auszuharren?“ Er (Moses) sagte: „Stelle mich nicht wegen meines Vergessens wegen zur Rede, und sei deswegen nicht streng mit mir.“ So zogen sie weiter, bis sie einen Jüngling trafen, den er erschlug. Er (Moses) sagte: „Hast du einen unschuldigen Menschen erschlagen, ohne dass (er) einen anderen (erschlagen hätte)? Wahrlich, du hast etwas Abscheuliches getan!“ Er sagte: „Habe ich dir nicht gesagt, du würdest es nimmer fertig bringen, bei mir in Geduld auszuharren?“ Er (Moses) sagte: „Wenn ich dich noch mal nach etwas frage, so begleite mich nicht weiter; von mir aus wärst du dann entschuldigt.“ So zogen sie weiter, bis sie bei den Bewohnern einer Stadt ankamen und von ihnen Gastfreundschaft erbaten; diese aber  weigerten sich, sie zu bewirten. Nun fanden sie dort eine Mauer, die einzustürzen drohte, und er richtete sie auf. Er (Moses) sagte: „Wenn du es gewollt hättest, hättest du einen Arbeitslohn dafür erhalten können.“ Er sagte: „Dies führt zur Trennung zwischen mir und dir. Doch will ich dir die Bedeutung von dem sagen, was du nicht in Geduld zu ertragen vermochtest. Was das Schiff anbelangt, so gehörte es armen Leuten, die auf dem Meer arbeiteten, und ich wollte es beschädigen; denn hinter ihnen war ein König, der jedes Schiff beschlagnahmte. (das in gutem Zustand war) Und was den Jüngling anbelangt, so waren seine Eltern Gläubige, und wir fürchteten, er könnte Schmach durch Widersetzlichkeit und Unglauben über sie bringen. So wollten wir, dass ihr Herr ihnen zum Tausch (ein Kind) gäbe, das redlicher als dieses und anhänglicher wäre. Und was nun die Mauer anbelangt, so gehörte sie zwei Waisenknaben in der Stadt, und darunter lag ein Schatz für sie (verborgen), und ihr Vater war ein rechtschaffener Mann gewesen; so wünschte dein Herr, dass sie ihre Volljährigkeit erreichen und ihren Schatz heben mögen (und nicht andere ihn vor ihnen finden) – als eine Barmherzigkeit deines Herrn; und ich tat es nicht aus eigenem Ermessen. Das ist die Bedeutung dessen, was du nicht in Geduld zu ertragen vermochtest.“ (18:60-82)

In dem obigen Gleichnis erfahren wir den Grund, warum Allah uns zu Geduld ermahnt bei allem, was uns zustößt. Wir besitzen einfach nicht die Kenntnisse über das Verborgene und können so die Sachlage nicht richtig beurteilen. Wir sollen fest auf Allah vertrauen, dass alles nur zu unserem langfristig Besten geschieht und Ihn um Rechtleitung und Barmherzigkeit bitten.

Und den, dem Wir ein langes Leben geben, setzen Wir körperlichem Verfall aus. Wollen sie es denn nicht begreifen? (36:68)

Ein weiteres Beispiel für eine mögliche Gnade, die auf den ersten Blick nach einem Unglück aussieht. Der Preis für  ein langes Leben sind oftmals die Altersschwäche und altersbedingte Leiden und Krankheiten. Dies ist eine der Gesetzmäßigkeiten Allahs und daher ist ein langes Leben nicht in jedem Fall einem mäßig langen vorzuziehen. Und Allah weiß am Besten, wovor er denjenigen bewahrt, den er früh abberuft.