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Sonntag, 24. November 2019

Die Kraft der Dankbarkeit - Teil 1


Teil 1

1.       Definition

Zu Beginn sollten wir definieren, was Dankbarkeit überhaupt ist. Sie besteht aus zwei Elementen:

1.)    Die Wahrnehmung / Affirmation (Bestätigung) von etwas Gutem

2.)    Die Anerkennung, dass etwas außerhalb von uns dafür verantwortlich ist

Ein dritter Aspekt gehört nach einigen Definitionen ebenfalls dazu: Das Gute annehmen und genießen können, die Akzeptanz einer Gnade und die Anerkennung der eigenen Schwäche und Bedürftigkeit in Demut und Ergebenheit und das daraus erwachsene Gefühl, etwas davon zurückgeben zu wollen ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten (Demut und Liebe). Stolz und Arroganz stehen der Dankbarkeit im Weg. Dankbarkeit ist eine Wahl, die wir unabhängig von den äußeren Umständen treffen können. Jederzeit.


2.       Dankbarkeit gebührt Allah

Wir rezitieren die Sura al Fatiha mindestens 17 Mal am Tag. Darin sprechen wir: Alhamdulillahi Rabbi-l- Alamin. Unsere Dankbarkeit gebührt nur Allah, dem Herrn der Welten!
Darin unterscheiden wir uns von den anderen Menschen, die Dankbarkeit praktizieren und die Spiritualität ausklammern. In dieser Gesellschaft werden die Gnaden oft getrennt vom Geber wahrgenommen und beispielsweise der Natur zugeschrieben oder dem Wirken des Universums. Sie behaupten beispielsweise, wenn man dankbar sei, könne das Universum nicht anders, als Gutes zurückzusenden oder ähnliches. Diese Art von Dankbarkeit ist dann nicht Schukr, sondern Kufr! Für uns Muslime geht alles Gute auf Allah zurück! Das bedeutet nicht, dass wir anderen gegenüber nicht dankbar sein sollen, sondern dass uns bewusst ist, dass hinter allem Allahs Bestimmung steht. Dankbarkeit ist eine Geisteshaltung. Daher heißt es in einem Hadith:
Wer den Menschen gegenüber nicht dankbar ist, ist auch Allah gegenüber nicht dankbar.


3.       Schukr im Islam

Das arabische Wort Schukr (Dank) beinhaltet den Gedanken der Mehrung. Dass man mehr erhält, als man verdient hätte oder als zu erwarten gewesen wäre. Als Schakkur (Dankbar) werden z.B. Pflanzen bezeichnet, die ohne Pflege reichlich Frucht tragen oder Vieh, das trotz kargem Futter fett wird und viel Mich gibt. Es bedeutet also die Antwort auf eine Gabe oder Segnung über das Normale hinaus. Das man wenig nimmt und viel gibt. Unsere Antwort auf das Geschenk des Lebens soll also mehr sein als die eines vor sich hin lebenden Tieres, indem wir den Geber erkennen, ihn lieben und nach Seinem Wohlgefallen streben durch Gottesdienst und Gehorsam Ihm gegenüber. Die Dankbarkeit für unsere Sinne und Gliedmaßen sind gute Taten und Abkehr vom Verbotenen. Denn wie können wir Allahs Geschenke dazu gebrauchen, gegen Ihn zu rebellieren?
Imam Ahmad Zarruq definiert es folgendermaßen:
Dankbarkeit (Schukr) ist die Freude im Herzen über den Geber von Segnungen, nicht nur über die Segnungen selbst. Dies manifestiert sich in den Gliedern, so das die Zunge Allah preist und man Gutes tut und Abstoßendes meidet.
Allah selbst ist Asch-Schaakir und Asch-Schakuur. Niemand handelt dankbarer als Allah! Allah ist anerkennend und wertschätzend. Nicht nur gute Taten und Gottesdienste selbst werden belohnt, sondern sogar gute Absichten, die nicht in die Tat umgesetzt werden konnten, das Unterlassen von schlechten Taten und Reue nach einer schlechten Tat! Er belohnt kleine gute Taten mit großer Belohnung weit über unseren Verdienst hinaus. Das bisschen Mühe, das wir uns in den paar Jahren geben, in denen wir hier auf der Erde verweilen wird von Ihm mit einer ewigen Belohnung vergolten, die alles übertrifft, was wir uns an Schönem vorstellen können. Und das, obwohl Allah nicht derjenige ist, der von unseren Taten profitiert oder der auf irgendetwas von uns angewiesen ist. Seine Dankbarkeit erwächst nicht wie bei uns aus Bedürftigkeit, sondern aus Stärke und Liebe zu Seinen Geschöpfen. Sollen wir da nicht erst recht dankbar sein?
Der dankbarste aller Menschen war unser Prophet Muhammad (sas). Er betete meist einen großen Teil der Nacht und als seine Frau Aischa ihn einmal fragt, warum er dies tue, wo Allah ihm doch seine vergangenen und zukünftigen Sünden bereits alle vergeben habe, antwortete er ihr: Soll ich denn nicht ein dankbarer Diener sein?


4.       Der Mensch ist meistens undankbar

An vielen Stellen im Qur’an wird wiederholt, dass die meisten Menschen undankbar sind. Es genügt, einige Beispiele hierfür zu nennen. In Sura al Hajj, Vers 66 heißt es: „Und Er ist es, Der euch lebendig gemacht hat, euch hierauf sterben lässt, euch hierauf wieder lebendig macht. Der Mensch ist wahrlich sehr undankbar.“ Oder in Sure Az-Zuchruf, Vers 15: „Und sie stellen Ihm einen Teil von Seinen Dienern als Seinesgleichen zur Seite. Der Mensch ist ja offenkundig sehr undankbar.“ Ein letztes Beispiel ist in Sura ash-Shura, Vers 48: „…Und siehe, senn Wir den Menschen von uns Barmherzigkeit kosten lassen, ist er froh darüber. Wenn sie aber etwas Böses trifft für das, was ihre Hände vorausgeschickt haben, gewiss, dann ist der Mensch sehr undankbar.“ Das arabische Wort für Undankbarkeit ist gleichzeitig das Wort für Glaubensverweigerung: Kufr! Ein Kafir ist also derjenige, der die Einheit und die Wohltaten Allahs, wie z.B. seine Propheten, leugnet oder aberkennt.
In Sura ar-Rahman gibt es einen Vers: A fa bi ajji alaai Ribbikuma atukaddhiban. Welche der Wundergaben von eurem Herrn werdet ihr leugnen?
Allah erhebt hier einen Vorwurf: wie viel mehr kann ich noch ständig für euch tun und ihr nehmt es nicht wahr? Diese Frage wird immer wieder wiederholt, nachdem verschiedene Themen behandelt werden, um das Ausmaß der Undankbarkeit der Menschen und Dschinn und den Zorn Allahs darüber aufzuzeigen. Diese Sura heißt daher auch nicht umsonst Ar-Rahman. Nur aufgrund der grenzenlosen Barmherzigkeit Allahs existieren wir noch!
Es ist aber nicht so, dass Allah unsere Dankbarkeit brauchen würde, denn Er besitzt alle Ehre und  allen Ruhm. Die Dankbarkeit ist etwas, von dem wir selbst profitieren, die uns selbst am meisten nutzt.


5.       Gründe für Dankbarkeit 

5.1          Dankbarkeit für Allahs Gnadengaben

Allah hat die Erde nicht nur geschaffen, um uns unser Überleben zu ermöglichen, sondern Er hat das Leben auf ihr schön und genussvoll gemacht. Das Leben ist ausgeschmückt mit Düften, Geschmackserlebnissen, Farben, Liebe, Bequemlichkeit usw. Wir alle brauchen Allah ständig; Er gibt jedem Geschöpf sein risq und kümmert sich um deren Bedürfnisse.
In einem weiteren Vers sagt Allah zu uns: Wenn ihr die Gnadengaben Allahs aufzählen wollten, ihr könntet sie nicht zählen. Wofür können wir zum Beispiel dankbar sein?
Die größte Segnung, die uns zuteilwurde ist der Islam und Allahs Rechtleitung. Ohne diese wären wir alle verloren und hätten den größten Verlust erlitten. Ohne unseren Glauben wären all unsere Taten wertlos und wir hätten ein absolutes Versagen  erlitten in unserem Leben und am Jüngsten Tag. Wir haben aber die unglaubliche Chance, ewige Glückseligkeit und Gemeinschaft mit den Menschen zu erlangen, die wir lieben! Es gibt viele Menschen, die es viel schwerer haben, diese Chance und diese Rechtleitung zu erlangen. Allah hat uns vor vielen Menschen auserwählt und uns diese Ehre erwiesen. Wären wir in Indien geboren worden oder in China, bei Naturvölkern oder in Armut und nur mit dem Überlebenskampf beschäftigt, wäre die Wahrscheinlichkeit viel geringer, dass wir zu den Muslimen gehören würden. Dies ist also die größte Gnade, die wir empfangen haben. Aber nicht nur das!

Wenn man die Frage stellt, wofür wir dankbar sein können, ist die Antwort meist spontan: Unser Körper, unsere Hände, Füße, unser Augenlicht, unser Gehör, unsere Familie und Besitztümer. Häufig denken wir auch an diese Erde, die Allah für uns so perfekt geschaffen hat. Die kleinste Änderung ihrer Position hätte das Leben auf ihr unmöglich gemacht. Alles ist perfekt ausgewogen und balanciert. Das ist alles wahr. Aber wenn wir uns einmal einen kurzen Moment Zeit nehmen um tiefer darüber nachzudenken und unser Leben mit dem Leben von anderen Menschen auf dieser Erde zu dieser Zeit und zu früheren Zeiten vergleichen, werden wir das unfassbare Ausmaß erkennen, in dem wir von Herzen dankbar sein können:

Wir leben heutzutage in Europa besser als Könige und Königinnen. Unsere Kühlschränke sind immer voll, wir können täglich warme Mahlzeiten zu uns nehmen, unser Essen kommt von überall her zu uns auf den Tisch und wir haben eine nie gekannte Auswahl an exotischen und fremden Früchten, Gemüsesorten und Gewürzen. Früher gab es nicht annähernd dieses Ausmaß an Ex- und Import. Die Handelswege waren lang und beschwerlich und es wurden sogar Kriege deswegen geführt.
Wir besitzen an die 100 Kleidungsstücke in allen Farben und Formen und für jede Gelegenheit. Zur Zeit des Propheten Muhammad (sas) gab es viele Menschen mit nur einem oder zwei Gewändern, die im Wechsel getragen wurden.

Es ist uns möglich, mit jedermann auf der Welt jederzeit in Kontakt zu treten, diese Person nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen. Früher, wenn jemand verreisen musste, hörte man monatelang oder sogar jahrelang manchmal nichts von dieser Person und war in ständiger Ungewissheit über ihr Wohlbefinden. Briefe brauchten oft mehrere Wochen.

Das reine und klare Trinkwasser kommt bei uns ohne jeglichen Aufwand aus der Leitung, unser Geschirr und unsere Wäsche wird für uns von einer Maschine gereinigt. Es gibt immernoch viele Menschen, die ihr Trinkwasser aus kilometerweit entfernten Brunnen schöpfen müssen um dann zwei Eimer voll zurückzutragen, die für den ganzen Tag reichen müssen. Sauberes Trinkwasser ist für viele auch heute noch kaum oder gar nicht vorhanden.

Wir haben jederzeit die Möglichkeit, sicher an entfernte Orte zu gelangen in immer kürzerer Zeit. Wer früher die Hadsch unternehmen wollte war oft monatelang zu Fuß oder auf dem Esel unterwegs mit oft ungewissem Ausgang und vielen Gefahren, die unterwegs lauerten. Heute setzen wir uns in ein Flugzeug und sind in 5 Stunden dort.

Unsere Wohnstätten sind geräumig, warm, trocken, sauber und sicher, unsere Betten weich und kuschelig. Viele unserer Geschwister müssen eng zusammengepfercht in Flüchtlingscamps oder in Kriegsgebieten in provisorischen Behausungen leben ohne Strom, ohne Heizung, ohne Schutz vor der Witterung und ohne sanitäre Einrichtungen. Aber wir müssen nicht einmal in die vielen Krisengebiete schauen, um Unsicherheit und Verfolgung zu sehen. Sogar in sogenannten erste Welt Staaten gibt es immer wieder Ereignisse wie Waldbrände, Hurrikanes, Amokläufe, Mafia, politische Verfolgung und  Unterdrückung, Ausbeutung der Arbeitskräfte, Bürgerkrieg, Überschwemmungen, giftige Tiere oder Raubtiere, Seuchen usw. Wir leben in einer Sicherheit wie es sie nur an sehr wenigen Orten der Welt gibt und Allah hat uns vor sehr vielem verschont.

Wir leben in Frieden und können ohne Schwierigkeiten Bildung erlangen und Berufe erlernen und ausüben, wir sind abgesichert gegen den Verlust der Arbeit oder Arbeitsunfähigkeit und haben keine Not zu befürchten. Wenn wir krank werden können wir ohne Angst vor Armut zum Arzt gehen um uns behandeln zu lassen. Nicht einmal in den USA, dem Vorzeigeland der ersten Welt, leben die Menschen in dieser Sicherheit. Dort gibt es viele Menschen, die nicht zum Arzt gehen, weil sie nicht krankenversichert sind und sich die Behandlung nicht leisten können! Es gibt viele Gebiete auf der Welt, in denen einfachste Krankheiten wie Durchfall oder bakterielle Infektionen immer noch den Tod bedeuten können. Die moderne Medizin bei uns kann die meisten Erkrankungen lindern oder heilen, so dass die wenigsten Menschen überhaupt jemals über längere Zeit hinweg Schmerzen ertragen müssen.

Wir kennen weder Krieg, noch Verfolgung, keinen Hunger, keine Kälte und keine Härte! Wir haben ALLES!

Nur um abschließend ein paar Statistiken zu nennen: Gäbe es auf der Welt 100 Menschen, würden 20 davon mehr als 10.000 € im Jahr verdienen und 20 weniger als 1€ am Tag! Nur 30 Menschen hätten genug zu essen. 50 Menschen würden oft unter Hunger leiden und 20 wären stark unterernährt. 25 Menschen hätten kein sauberes Wasser, 32 keine saubere Luft und nur 34 Menschen hätten Strom!


5.2          Dankbarkeit für die Abwesenheit von Prüfungen

Aber Dankbarkeit betrifft nicht nur die Dinge, die wir haben, sie beginnt schon bei den Dingen, vor denen wir verschont wurden oder den Prüfungen, die wir überwinden konnten. Es könnte immer noch schlimmer sein. Mahatma Ghandi soll einmal gesagt haben: Ich war traurig darüber, dass ich keine Schuhe hatte. Und dann sah ich einen Mann ohne Füße.
Wenn wir etwas sehen, mit dem andere Menschen geprüft werden, sollen wir uns an Allah wenden und Ihm mit folgenden Worten danken:
Alhamdulillahi-lladhi afana mim ma btala bihi ghairana.
Lob und Dank gebühren Allah dafür, dass Er uns vor dem bewahrt hat, womit Er andere geprüft hat!
Diese Aussage ist ein Schutz für uns vor dieser Prüfung. Die Dankbarkeit, die wir hier zum Ausdruck bringen hat also aktiv und direkt eine Konsequenz und Wirkung auf unsere Zukunft.


5.3          Dankbarkeit durch Vertrauen auf die Weisheit Allahs

Auch wenn uns nur wenig gegeben wurde, müssen wir dankbar sein. Oft ist ein „zu viel“ schädlich und die Mäßigung ein Segen. Am besten für uns ist die Ausgewogenheit in allen Dingen. Es ist die Weisheit Allahs, uns nicht alle Wünsche zu erfüllen. Wie gute Eltern, die Regeln für die Kinder aufstellen, deren Wünsche filtern und Einschränkungen machen (z.B. Computerspiele, Handy…). Wer alles bekommt, was er will, wird meist verwöhnt, herrisch, ungeduldig, anmaßend, hochmütig, ungezügelt, exzessiv, gierig und neigt zu riskantem Verhalten aus Langeweile und zu Süchten aus Überdruss. Zusätzlich zu all diesen Vorteilen des Mittelmaßes kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu:
Im Paradies werden viele Gläubige einen Berg an Belohnung vorfinden für gute Taten, die sie nie verrichtet haben. Sie werden fragen: Wofür ist das? Ihnen wird gesagt werden: Das ist die Belohnung, die euch für alle Bittgebete gegeben wurde, die euch auf Erden nicht erfüllt wurden. Sie werden sagen: O hätte Allah doch keine unserer Bitten auf Erden erfüllt!


5.4          Dankbarkeit in schweren Zeiten in der Hoffnung auf Vergebung und Belohnung

In einigen Ahadith werden uns die Zusammenhänge von Prüfungen und Dankbarkeit erklärt:
Abu Yahya Suhaib ibn Sinan (radiyallahu ´anhu) überliefert, dass der Gesandte Allahs (sallalahu ´alaihi wa sallam) sagte: „Die Angelegenheit des Mu´min ist wirklich verwunderlich. Alles ist für ihn gut – und dies ist nur beim Mu´min so: Wenn ihm etwas Erfreuliches widerfährt und er dankt Allah dafür, so ist das gut für ihn. Und wenn er von einer Drangsal heimgesucht wird und er sie geduldig erträgt, so ist das auch gut für ihn.“
Warum ist es gut für uns, Prüfungen geduldig zu ertragen? Allah hat uns versprochen, uns durch solche Prüfungen Sünden zu vergeben und es ist daher eine Möglichkeit für uns, der ewigen Glückseligkeit im Paradies näher zu kommen und daran zu wachsen. Außerdem zeigt eine solche Haltung eine hohe Stufe des Imans, nämlich das tiefe Vertrauen in Allah, dass alles, was passiert, am Ende das Beste für uns ist, auch wenn wir es in dem Moment nicht erkennen können, denn nur Allah sieht das Verborgene und die Zukunft.
Häufig erkennen wir die Dinge, die wirklich wertvoll sind, erst durch deren Verlust oder Abwesenheit. Dadurch können Prüfungen, die wir überstanden haben, am Ende zu mehr Dankbarkeit und Wertschätzung führen. Durch den Kontrast zur Krankheit können wir erst die volle Bedeutung der Gesundheit erfassen. Durch den im Ramadan erlittenen Hunger und Durst können wir den Wert des Wassers und der Nahrung wieder neu schätzen. So erinnern uns Prüfungen und die Erinnerung an die Vergänglichkeit häufig an den Wert der Dinge, die wir sonst als selbstverständlich betrachten.
Alle Dinge befinden sich in ständigem Fluss. Stillstand bedeutet Tod. Durch Herausforderungen und Prüfungen können wir uns verändern und entwickeln. Wir wären nicht der Mensch, der wir heute sind, wenn wir nicht auch durch schwere Phasen gegangen, daraus gelernt und diese bewältigt hätten.

Sonntag, 10. November 2019

Die Kraft der Dankbarkeit - Teil 2


Teil 2

Nach der Definition von Dankbarkeit und einer Reflektion darüber, wofür wir dankbar sein können, nun einige weitere Betrachtungen über die Folgen der Dankbarkeit auf spiritueller, psychischer und körperlicher Ebene

1.       Positive Auswirkungen der Dankbarkeit

Es gibt einen sehr schönen uns ausdrucksvollen Vers im Qur’an, der uns ein tiefes Geheimnis des Verborgenen offenbart. Musa erinnert damit die Israeliten in der Wüste an ein Versprechen Allahs:

Wenn ihr nur dankbar seid, werde ich euch wahrlich mehr geben..... (14:7).

Was wird Allah geben? Das wurde hier bewusst offen gelassen. Es wird uns gegeben werden, was wir am meisten brauchen und was am besten für uns ist zu einem Zeitpunkt, den Allah wählt. Jede Art von Dankbarkeit führt zu Segnungen und Mehrung in allen möglichen Dingen; dies können Allahs Belohnung sein (10-700 fach oder noch mehr), die Nähe zu Allah, der Segen in dem, was wir besitzen, in der Familie, unserer Zeit, Gesundheit etc.

Besonders in Situationen, in denen wir in Schwierigkeiten sind und vor großen Herausforderungen stehen, wenn wir dann Dankbarkeit aufbringen können gegenüber Allah und damit unser bedingungsloses Vertrauen in Ihn zeigen, wird Er uns nicht im Stich lassen! Dies ist Allahs Sunnah, Seine Gewohnheit, ein geistiges Naturgesetz! Die Lehre dahinter ist: in Zeiten tiefer Verzweiflung sollen wir den Fokus darauf richten, wofür wir dankbar sein können und die Probleme und Negativität im Herzen und Verstand durch Positivität und neuen Mut herausdrängen. Dies setzt Energien frei, zieht Allahs Hilfe an und führt zusätzlich dazu, dass wir uns besser und zufriedener fühlen.

Außerdem ist der Mensch so veranlagt, dass er denjenigen liebt, der ihm etwas Gutes zuteil werden lässt. Durch unsere Dankbarkeit wird also die Liebe zu Allah vertieft und diese Liebe stärkt unser Bemühen darum, Sein Wohlgefallen zu erlangen und macht uns damit gleichzeitig zu besseren Menschen. Denn die Liebe zu Allah führt zu den meisten anderen guten Taten: Man möchte Allah kennenlernen und strebt dadurch nach Wissen. Man möchte Allah gefallen und ist daher gehorsam Ihm gegenüber und fleißig im Gottesdienst und bei den guten Taten.
Dankbarkeit ist außerdem ein Schutz vor der Strafe Allahs und bringt Seinen Lohn. Im Qur’an steht:

Warum sollte Allah euch strafen, wenn ihr dankbar und gläubig seid? Allah ist dankend und allwissend. (4:147)

… Und dem, der den Lohn der Welt begehrt, geben wir davon, und dem, der den Lohn des Jenseits begehrt, geben wir davon. Wahrlich, wir werden die Dankbaren belohnen. (3:145)

Dankbarkeit führt auch zu Zufriedenheit mit dem, was man hat. Im Wort Zufriedenheit steckt Frieden. Ein dankbarer Mensch findet inneren Frieden. So nutzt unsere Dankbarkeit am meisten uns selbst.


2.       Schlimme Folgen der Undankbarkeit

Der oben erwähnte Vers (14:7), der die Mehrung bei Dankbarkeit verspricht, geht folgendermaßen weiter: ....Falls ihr aber undankbar seid, meine Strafe ist streng!

Es ist der Job von Shaitan, uns undankbar zu machen. Nachdem Allah ihn aufgrund seines Hochmuts aus dem Paradiesgarten vertrieben hatte und ihm Aufschub gewährt hatte, sprach er:

 „…Darum, dass Du mich hast abirren lassen, will ich ihnen gewiss auf Deinem geraden Weg auflauern. Dann will ich über sie von vorne und von hinten kommen, von rechts und von links, und Du wirst die Mehrzahl von ihnen nicht dankbar finden.“ (7:16-17)

 Shaitan will Rache an uns üben und uns mit sich in die Hölle ziehen. Durch Undankbarkeit unsererseits Allah gegenüber kann er leicht sein Ziel erreichen.
Undankbarkeit äußert sich in Jammern und Klagen, Negativität und Resignation. Wenn man ständig unzufrieden ist und die Wünsche nach immer mehr oder immer Besserem kein Ende nehmen, sind das eindeutige Zeichen von Undankbarkeit. Bei Erwachsenen wird das dann häufig zu Gier und Egoismus und Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen und der Umwelt. „Alhamdulillah“ und die damit verbundene Bescheidenheit und Zufriedenheit kann uns also vor vielen Problemen bewahren.
Wir werden gewarnt vor Negativität und Resignation, die uns nur frustriert und unglücklich macht und uns lähmt. Durch Undankbarkeit lehnen wir uns auf gegen Allah. Der Zorn und die Strafe Allahs sind real, auch wenn sie vielleicht erst im Jenseits erfolgen. Allah ist barmherzig und vergebend und gibt allen Menschen in dieser Welt ihren Unterhalt, aber wir kennen alle aus eigener Erfahrung, dass wir gerne großzügig sind zu Menschen, die dies zu schätzen wissen und keine Lust haben, uns von unverschämten und anmaßenden Menschen ausnutzen zu lassen. Die undankbaren Menschen, die Allah in dieser Welt vergessen haben, haben dann im Jenseits nichts mehr zu erwarten.

Häufiges Jammern und Klagen über das, was Allah bestimmt und gegeben hat, ist ein Zeichen von Undankbarkeit. Wenn wir uns beklagen wollen, dann nur bei Allah oder bei denen, die bei der Lösung des Problems helfen können. Wer sich ungerechtfertigterweise ständig beklagt soll vorsichtig sein, dass Allah ihm nicht einen echten Grund zur Klage gibt. Ständiges Klagen lässt die Segnungen schwinden.

Undankbarkeit gegenüber Allah ist häufig auch ein Zeichen von Hochmut, nämlich dafür, dass man den Geber vergisst und sich die guten Dinge selbst zuschreibt, der eigenen Planung, Klugheit, Anstrengung etc. Dann ist dieses weltliche Glück eine noch größere Prüfung für diese Menschen als es Armut oder Unglück wären, denn Hochmut gegenüber Allah kann die Ursache dafür werden, dass ihnen das Paradies verwehrt wird:

 „Und euer Herr sagte: „Bittet mich, und ich werde eure Bitte erhören! Wahrlich, jene, welche zu hochmütig sind mir zu dienen, werden [dereinst] gedemütigt in die Hölle eingehen.“[ 40:60]

Wer nicht dankbar ist für Allahs Gaben riskiert, sie zu verlieren, während der Dankbare sie sichert und mehrt.


3.       Die Gesetzmäßigkeiten Allahs: 
Das Gefühl der Fülle durch Zufriedenheit und des Mangels durch Gier

Es gibt ein göttliches Naturgesetzt, eine Sunnah Allahs, die Er uns in verschiedenen Ahadith nahebringt:

In einem Hadith qudsi heißt es: „Oh mein Diener. Ich habe dich für Mich geschaffen und ich habe alle Dinge für dich geschaffen. Du aber hast dich von dem abgewendet, wozu du erschaffen wurdest und dich gänzlich mit dem beschäftigt, was für dich geschaffen wurde. Oh mein Diener. Wenn du dich zufrieden gibst mit dem, was ich dir zugeteilt habe, wirst du zufrieden sein und erlangst du Meine Zufriedenheit mit dir. Und wenn du dich nicht damit zufrieden geben willst, was dir zugeteilt wurde, lasse ich die Welt dich beherrschen, bis du wie ein wildes Tier wirst, das hinter seiner Beute her rennt und keine Ruhe findet bei seiner Jagd; und trotzdem bekommst du nur das, was ich dir zugeteilt habe.“

Das heißt, wer gierig und unersättlich dieser Welt hinterherrennt, vor dem läuft sie weg und er wird doch nie mehr als das bekommen, was ihm zugeteilt wurde. Solch ein Mensch fokussiert sich durch seine Gier immer auf den Mangel, den er empfindet und das Gefühl des Mangels wird dadurch genährt.
Wer sich aber von dieser Welt abwendet und zufrieden mit dem ist, was Allah ihm zugeteilt hat, zu dem wird sein Risq von Allah auf Arten kommen, die er sich nicht vorstellen konnte. Dadurch, dass der Fokus auf Zufriedenheit gelegt wird, nimmt diese beständig zu.

Das Streben nach Glück und Zufriedenheit, das hinter fast allem steht, was Menschen tun, bringt sie dazu, sich bei diesem Streben zu verausgaben, ohne jemals dieses Ziel zu erreichen. Denn Glück kommt nicht durch den Besitzt einer Sache, sondern durch ihre Wertschätzung. Wir können jetzt sofort glücklich sein, wenn wir dankbar sind und das zu schätzen wissen, was uns gegeben wurde. Viele wollen schnell reich werden, das klappt allerdings sehr selten. Aber alle können sich schnell reich fühlen, durch die Dankbarkeit. Materielle Dinge sind wertlos ohne die Fähigkeit, sie zu genießen! Geld kann dir Dinge kaufen, aber kein Glück. Ein Bett, aber keinen Schlaf, Medikamente, aber keine Gesundheit, Bücher, aber kein Wissen, Essen, aber keinen Appetit, ein gepflegtes Äußeres, aber keine Liebe, Uhren, aber keine Lebenszeit usw. Wir brauchen nicht viel, um alles zu haben. In einem Hadith steht:

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte: “Wer auch immer von euch (morgens) seelisch und körperlich gesund aufwacht, und dessen Lebensunterhalt für diesen Tag gesichert ist, ist so, als wenn er im Besitz der ganzen Welt wäre.” (At-Tirmidhi)


4.       Psychologie und Physiologie

4.1              Mehr Glück durch Dankbarkeit

Auch außerhalb der Religion werden diese geheimnisvollen Zusammenhänge bestätigt. Wissenschaftlich gesehen befinden sich die Menschen auf einem bestimmten Level von Glück und Zufriedenheit. Manche Momente weiten davon ab im Positiven oder Negativen, aber der Mensch pendelt sich immer wieder auf dem für ihn typischen Level ein. Wenn sich diese Menschen aber auf die Dinge besinnen, für die sie dankbar sind, nimmt das Level des Glücks zu. Wir neigen dazu, diese Dinge zu vergessen und als selbstverständlich anzusehen. Dankbarkeit  bedeutet, sich immer wieder bewusst zu machen, wie viel Glück man eigentlich hat. 
Nicht die Glücklichen sind immer die Dankbaren, sondern die Dankbaren sind es, die immer glücklich sind!

Früher hat man in der klassischen Psychotherapie nach Freud Traumata ausgegraben und sich darauf fokussiert, was sie nur noch verstärkt hat. Sich beschweren bedeutet nämlich, sich zu belasten. Durch das Gesetz der Anziehung ist sich beschweren wie bitten um die Dinge, die man nicht möchte. Bei der Fokussierung auf die guten Dinge passiert das Gleiche, nur im positiven Sinn.
Wenn wir 100 Angelegenheiten im Leben haben, laufen z.B. 96 gut und 4 nicht. Wenn wir uns nun auf diese 4 konzentrieren führt dies zu Negativität und Stress. Wenn wir uns stattdessen auf die 96 Dinge konzentrieren, werden wir mit einem Gefühl der Fülle und der Positivität erfüllt und können auch mit den 4 schwierigen Dingen besser umgehen.


4.2              Die Rolle des Unterbewusstseins

In der Psychologie und Gehirnforschung kam man zu erstaunlichen Ergebnissen: In der Psychologie gilt es als erwiesen, dass wir das, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, verstärkt in unser Leben ziehen. Das, worauf wir unseren Fokus richten, nimmt automatisch mehr Platz in unserem Leben ein. Es fällt uns immer mehr auf und kommt uns dadurch immer bedeutender und wichtiger vor. Dies gilt sowohl für positive als auch für negative Dinge.  Das Unterbewusstsein spielt dabei eine große Rolle.Es kommt zu einem Kreislauf der positiven Verstärkung:

Aufmerksamkeit führt zu Sensibilisierung.
Sensibilisierung führt zu Wachstum der dafür benutzten Gehirnareale

                 
Die Wahrnehmung verbessert und verstärkt sich
Dadurch erhöht sich die Aufmerksamkeit usw.

Wertschätzung und Dankbarkeit von etwas verstärken es und lassen uns diese Sache mehr wahrnehmen. Wer einen schönen Stein sucht, den er bemalen möchte, wird auf einmal lauter schöne Steine wahrnehmen, die er vorher einfach nicht wahrgenommen hat. Auf einmal ist die Welt voller schöner Steine. Wenn wir den Fokus darauf lenken, was Allah uns täglich schenkt, werden uns immer mehr Dinge auffallen, die vielen Kleinigkeiten, die andere vielleicht übersehen. Vielleicht brauche ich gerade eine neue Uhr und siehe da, sie ist nächste Woche im Angebot. Oder ich habe heute große Lust auf Nudeln und die Mutter hat sie „zufällig“ heute gekocht. Oder ich vermisse eine Person und in dem Moment ruft sie an usw. Durch die Aufmerksamkeit, die wir auf Allahs Fürsorge richten, spüren wir sie noch mehr und empfinden uns als reich beschenkt und geliebt.
Wenn wir uns für etwas interessieren und uns verstärkt damit beschäftigen, wächst der Bereich des Gehirns, der für die Verarbeitung dieser Information verantwortlich ist und unsere Intelligenz und Aufnahmefähigkeit in diesem Bereich nimmt zu. 

Das Gehirn kann sich immer wieder neu strukturieren und neue Nervenbahnen aufbauen. Dies nennt man Neuroplastizität. Durch häufige Wiederholung einer Information und den mit diesen Gedanken verknüpften Emotionen gelangen diese in unser Unterbewusstsein, welches etwa 90% unserer Entscheidungen bestimmt. Es ist das, was uns antreibt, vergleichbar mit einem Elefanten. Unser Verstand ist wie der Reiter auf diesem Elefant. Wenn der Elefant nach rechts gehen will, hat der Reiter keine Chance nach links zu gehen.


9.2          Die Physiologie der Emotionen

Es gibt auch eine physiologische Dimension unserer Gedanken und Emotionen
Die Kommunikation in unserem Körper findet auf verschiedenen Ebenen statt:

1)      Neuronal, d.h. durch Nervenbahnen
2)      Biophysikalisch, d.h. durch die Pulswelle
3)      Biochemisch, d.h. durch Hormone und Botenstoffe
4)      Energetisch, d.h. durch elektromagnetische Felder. Das Herz hat ein Magnetfeld (messbar durch  ein MKG), welches emotionale Informationen an das Gehirn sendet.

Unterschiedliche Emotionen bewirken unterschiedliche Signale und haben dadurch auch Auswirkungen auf die Gehirnaktivität.

Durch regelmäßige Dankbarkeitsübungen wird die molekulare Struktur des Gehirns verändert und die Menschen werden friedlicher und weniger reaktiv. Mithilfe eines FMRI-Scanners, der die Gehirnaktivität bei Dankbarkeit messen kann, konnte man zeigen, dass die Gehirnaktivität dann im medialen präfrontalen Kortex höher ist und dies bei mittelfristiger Übung auch nachhaltig / langfristig nachweisbar ist. Dieser Bereich ist unter anderem für Lernen und Entscheidungsfindung zuständig.
Liebe und Wertschätzung führen zu einem stabilen, sinusförmigen Herzrhythmus, welcher Vorteile wie mehr geistige Klarheit und Leistungsfähigkeit mit sich bringt. Das Gehirn synchronisiert sich immer wieder mit diesem elektromagnetischen Puls und passt dadurch auch Atmung und Blutdruck, Wahrnehmung und mentale Vorgänge an unsere Emotionen an. Positive Emotionen wie Dankbarkeit beeinflussen daher alle Körperfunktionen positiv.

Leiden wir dagegen beispielsweise unter Stress durch Sorge oder Angst, ist unser Herzrhythmusmuster unregelmäßig und ungeordnet. Stresshormone werden ausgeschüttet und der Hippocampus wird veranlasst, sich die stressauslösende Situation gut zu merken. Auf diese Weise läuft eine erneute Stressreaktion durch ähnliche Auslöser danach noch schneller ab und das Gehirn lernt, darauf mit Stress zu reagieren. Häufige Stresssituationen können langfristig eine Schädigung der Zellfortsätze im Hippocampus bewirken. Dies sind wichtig für die Aufnahme von Information. Schrumpfen sie, wirkt sich das negativ auf das Gedächtnis aus und der präfrontale Cortex kann sich so verändern, dass es schwieriger wird, sinnvolle Entscheidungen zu treffen.

Wenn jemand zum Beispiel Angst davor hat, eine bestimmte Krankheit zu bekommen, wird er anfangen, überall Menschen zu sehen, die diese Krankheit haben und verstärkt auf Symptome für diese Krankheit bei sich suchen. Er wird anfangen, alles was er wahrnimmt so zu interpretieren, dass er sich fast sicher ist, diese Krankheit zu haben oder zu bekommen und sich immer mehr so verhalten, als ob er bereits krank wäre. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Person krank wird, ist dadurch stark erhöht, denn die Psyche spielt bei Erkrankungen eine große Rolle. Man spricht auch von einer Self-fulfilling prophecy. Das bedeutet, dass sich feste Überzeugungen eines Menschen unabhängig von derem ursprünglichen Wahrheitsgehalt häufig mit der Zeit in der Realität manifestieren. Dies gilt für positive und negative Überzeugungen gleichermaßen. Besonders bei Kindern kann negative Information ungefiltert ins Gehirn gelangen, da der Teil des Gehirns, der für Selbstverteidigung und kritische Reflektion zuständig ist, erst mit 20 Jahren voll ausgereift ist. So setzen sie sich im Unterbewusstsein als negative Glaubensgrundsätze fest. Aber durch die Neuroplastizität können negative Glaubensgrundsätze durch neue positive Glaubensgrundsätze ersetzt werden.

 Daher ist es auch psychisch und physisch für uns sehr nutzenbringend, wenn wir uns positive Gedanken und Gefühle  wie Dankbarkeit und Gottvertrauen zu eigen machen.


5.       Wissenschaftliche Studien zu den Auswirkungen von Dankbarkeit

Der Psychologieprofessor Dr. Robert Emmerson machte verschiedene wissenschaftliche Experimente zum Thema Dankbarkeit:
Er teilte die Probanden in drei Gruppen ein, die alle die gleichen Zeitungen bekamen. Gruppe A bekam den Auftrag, eine Liste der Dinge zu machen, für die sie dankbar sind. Gruppe B sollte aufschreiben, worüber sie sich ärgert und Gruppe C sollte einfach das aufschreiben, was ihnen am interessantesten erschien. Das Wohlbefinden von Gruppe A war deutlich höher als von Gruppe C und der Abstand zu Gruppe B was noch höher. Sie schliefen besser und trieben mehr Sport.

Allgemein haben seine Studien im Verlauf von 15 Jahren ergeben, dass dankbare Menschen zufriedener sind, sich wohler fühlen und bessere soziale Beziehungen haben. Die Dankbarkeit zu artikulieren macht uns selbst und die anderen glücklich! Jeder mag Menschen, die ihre Mitmenschen zu schätzen wissen und ihre Zuneigung und Wertschätzung ausdrücken. Das Zeigen von Dankbarkeit ist sehr heilsam für soziale Gefüge und macht die Beziehungen zueinander liebevoller. Außerdem betrachten dankbare Menschen andere wohlwollender und sehen eher das Gute in ihnen und ihrem Benehmen. Dadurch sind sie großzügiger und nachsichtiger, weniger nachtragend und besitzen mehr Empathie. Sie nehmen auch neutrales Verhalten eher als positiv wahr, da sie ihren Fokus auf das Positive ausgerichtet haben. Daher besitzen sie auch mehr Sensibilität für Freundlichkeiten und nehmen sie verstärkt wahr.
Außerdem waren die dankbaren Menschen weniger einsam und depressiv, widerstandsfähiger bei Belastung, ausgeglichener, hoffnungsvoller und schliefen besser. Die Dankbarkeit wirkt wie ein psychologisches Immunsystem, da sie vor Ängsten und Stress schützt.
Dankbare Menschen sind insgesamt erfolgreicher bei der Erreichung ihrer Ziele, denn Dankbarkeit und Undankbarkeit haben direkte Auswirkungen auf das Verhalten der Menschen. Mangelnde Wertschätzung führt zu Verschwendung und unachtsamem Umgang (z.B. Wasser), Vernachlässigung oder schlechter Behandlung (z.B. Partnerschaft), mangelndem Einsatz (z.B. Bildung).
Dankbarkeit dagegen fördert z.B. die Pflege und Vorsicht (z.B. Kaffeevollautomat, eigener Körper), Reparatur und Reinigung (z.B. Auto), Anstrengung und Mühe (z.B. Studium)
Körperlich aüßerte sich die Dankbarkeit darin, dass die Dankbaren mehr Sport trieben, besser schliefen, aktiver waren, weniger rauchten, weniger Alkohol tranken, seltener Bluthochdruck hatten (10-15%), bessere Blutfettwerte (HDL↑, LDL↓) und weniger Kreatinin in der Niere. Das hat verschiedene Gründe, wie den Einfluss unseres Unterbewusstseins und der Psyche auf den Körper aber auch ein verstärktes Bewusstsein für den Körper als kostbares Geschenk (bei uns: amana), auf das man aufpassen muss. Dankbare Menschen haben auch weniger Schmerzen und sind weniger aggressiv.


6.       Dankbarkeit üben

Dankbarkeit verwandelt also negative Einstellungen wie z.B. eine Opferhaltung in Lebensfreude und durchbricht den Teufelskreis der Negativität. Aber nur regelmäßiges Training hat solche langfristigen Auswirkungen. Durch Neuroplastizität verändert sich dann nachhaltig die Gehirnstruktur. Besonders stark ist der Effekt auf das Unterbewusstsein, wenn die Wünsche und Gedanken mit Emotionen verknüpft sind und wenn man sie visualisiert. Dankbarkeit ist eine starke Emotion, die viel Energie in sich trägt.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich in Dankbarkeit zu üben:
  •  Man kann ein Dankbarkeitstagebuch führen, in das man entweder morgens oder abends drei Dinge schreibt, für die man dankbar ist und sich dabei von Herzen dankbar fühlen
  •  Man kann sich täglich folgende Fragen stellen: Wofür bin ich anderen Menschen heute        dankbar? Wofür bin ich mir selbst heute dankbar? Wofür bin ich Allah heute dankbar?
  •  Dabei kann man schöne Erinnerungen nochmal erleben indem man sie visualisiert
  •  Man kann Bittgebete machen und dabei Allah danken         Man kann einen Erinnerungsgegenstand bei sich tragen, der einen daran erinnern soll, die guten Dinge nicht als selbstverständlich anzusehen·        
  • Man kann sich angewöhnen, Dankbarkeit öfter verbal zum Ausdruck zu bringen, indem man Alhamdulillah sagt aber auch den anderen Menschen gegenüber öfter dankt.·        
  • Wenn einem Gutes widerfährt kann man 2 Rakat beten oder Sudschud machen·        
  • Allah häufig lobpreisen und dhikr machen. (z.B je 33* SubhanAllah, Alhamdulillah und Allhu Akbar
  • Vor dem Schlafen allen Menschen vergeben und das Herz rein halten (wie einer der Bewohner des Paradieses)
  • Freiwillige Gebete in der Nacht verrichten, wie unser Prophet Muhammad (sas) es zu tun pflegte. Seine Frau Aischa fragte ihn, warum er so viel beten würde, wo doch Allah ihm alle Sünden, die vergangenen und die zukünftigen, bereits vergeben habe. Er antwortete ihr: Soll ich denn nicht ein dankbarer Diener sein?